Wenn nicht doch noch eine Spätzündung erfolgt, dann ist die UN-Kommission unter Führung des stellvertretenden Generalsekretärs Brian Urquhart – vielleicht der eindrucksvollsten Persönlichkeit im Glaspalast – nach einwöchiger Verhandlung ergebnislos geblieben: Die Südafrikaner konnten sich nicht entschließen, freien, UN-überwachten Wahlen in Namibia zuzustimmen. Schade, gerade jetzt wäre ein günstiger Moment für eine friedliche Lösung.

Warum? Weil 1978, als die Wahlen stattfinden sollten, die Weißen tief beunruhigt waren wegen der Vorgabe für die Swapo, die von der Vollversammlung als einzig legitime Vertretung der Bevölkerung anerkannt worden war, während sich die Swapo eben deshalb in bedenkenlos selbstherrlicher Verfassung befand. Es wäre ein ungleicher Start gewesen. Jetzt ist die UN offenbar bereit, Konzessionen zu machen, dergestalt, daß sie die Swapo wohl als international anerkannte Befreiungsbewegung im Kampf gegen ein in Namibia nicht legitimiertes Regime akzeptiert, in den Wahlen aber nur als eine Partei neben anderen. Es heißt, daß sie auch keine finanzielle Unterstützung mehr erhalten soll.

Dies ist ein überzeugenderer Ausgangspunkt für freie Wahlen, denn der Vorwurf, die Swapo repräsentiere vorwiegend die Ovambos, nicht aber die anderen Stämme, ist zutreffend. Günstig ist auch, daß inzwischen in Namibia selbst mit der Abschaffung der meisten Apartheidgesetze – Rassentrennung, Paßgesetze – auch der Haß abgebaut worden ist. Und schließlich sind mittlerweile die Frontstaaten des Terrorismus überdrüssig und wollen ihre Ruhe haben. Sam Nujoma, Chef der Swapo, der eben in der Bundesrepublik war, antwortete auf die Frage, ob er einem Waffenstillstand zustimmen würde, mit einem für seine Verhältnisse klaren „Ja“. Es wäre ein Jammer, wenn die Südafrikaner die Gunst der Stunde nicht nutzten. Allerdings muß man befürchten, daß Leute, die es fertigbringen, in der gegenwärtig explosiven Lage einen weißen Minister zum Ehrenbürger der schwarzen Stadt Soweto zu ernennen, nicht wissen, was gut für sie ist. Dff.