Ehrgeizige Eltern

Da hatten nun die sonst so leistungsorientierten Schulmeister in Niedersachsen ein Einsehen wenigstens mit den kleinsten ihrer zensurengeplagten Zöglinge gezeigt: Während der ersten zwei Schuljahre wurde bislang auf Noten verzichtet, statt dessen stand nur eine allgemeine Beurteilung im Zeugnis. Den Eltern jedoch erschien diese pädagogische Schonzeit zu viel der Rücksichtnahme. Anläßlich einer Überarbeitung der Rahmenrichtlinien für die Grundschule bat der Landeselternrat Niedersachsen den Kultusminister um eine Änderung der Zeugnisbenotung: Bereits am Ende der zweiten Klasse sollen – so die Forderung – in den einzelnen Fächern die üblichen Zensuren gegeben werden. Eine „ausschließlich verbale Benotung“ betrachtet der Landeselternrat als „problematisch“, da er eine „Vergleichbarkeit der Schülerleistung“ nicht erlaubt. Getreu dem alt-ehrwürdigen Grundsatz „Non scholae sed vitae discimus“ kann den ambitionierten Eltern eine Vorbereitung auf das künftige Karrierestreben ihrer Sprößlinge offenbar nicht früh genug beginnen: „Da Schule auf Leben und Beruf vorbereiten soll, ist Schule ohne Leistungsnachweis nicht möglich“, heißt es denn auch drakonisch in einer Erklärung des Landeselternrates.

„Üble Nachrede“

Weil er in seinem teilweise autobiographischen Roman über Berufsverbote – Titel: „Die Hexenjagd“ – Beamte der Hamburger Schulbehörde „in verletzender Weise persönlich diffamiert“ habe, soll der Lehrer und DKP-Mann Hans-Peter de Lorent in der Hansestadt nicht Beamter werden (siehe ZEIT Nr. 43). Bedrängt von Angehörigen seines Amtes, die sich in dem Buch als „Mafia“ und „Hexenjäger“ sowie durch den Vorwurf vermeintlicher „Paarung von Unverschämtheit und Dummheit“ verunglimpft fühlen, hat Schulsenator Joist Grolle nun auch Strafantrag gegen den schriftstellernden Pädagogen gestellt – wegen Beleidigung, übler Nachrede und möglicher Verleumdung. De Lorents Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), deren Hamburger Lehrerzeitung er redigiert, will ihm auch bei seinen neuerlichen Schwierigkeiten mit dem sozialdemokratischen Schulsenator Rechtsbeistand geben; denn „alles“, so GEW-Anwalt Jochen Ammer, was irgendwie mit Arbeitsbedingungen zu tun hat, ist im weitesten Sinne Aufgabe der Gewerkschaft.

Gefährlicher Simmel

Die Liebe zwischen Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel und Intellektuellen ist sicher nicht allzu groß. Und wenn er ihnen in seinem neuen Roman „Wir heißen euch hoffen“ das Laster des modischen Rauschgiftkonsums anhängt, so wird sein Massenpublikum es ihm vielleicht beifällig abkaufen, weil es in ein gängiges Vorurteil paßt – den Tatsachen entspricht es nicht. So wie vieles falsch und irreführend ist im neuen Simmel, der intime Sachkenntnis zum Thema Drogen nur vortäuscht. Dies veranlaßt das Deutsche Ärzteblatt zu heftiger Kritik. Nicht um sachliche Argumentation, sondern um pure Effekthascherei gehe es Simmel, moniert der Autor, So hätten 74 Prozent der Heroinsüchtigen bestenfalls eine Hauptschulbildung, 80 Prozent stammten aus Familien mit niedrigem Einkommen – was auf psycho-soziale Ursachen der Sucht hinweist. Simmel schreckt auch nicht davor zurück, die ohnehin schon hohe Zahl der Todesopfer in Berlin noch höher zu jubeln – das klingt dann dramatischer. Besonders schlimm, so kritisiert das Ärzteblatt, sei die Tatsache, daß Simmel suggeriert, Sucht sei durch Chemikalien zu bekämpfen: „Es ist mehr als zweifelhaft, daß jemals ein Stoff (aus dem keine Träume sind) gefunden wird, mit dem Sucht bekämpft werden kann, ohne selbst süchtig zu machen.“ Zu „Unkenntnis der Probleme und oberflächlichen Recherchen“ kommen „viele alte, mehrfach aufgewärmte Vorurteile dazu, die kritiklos übernommen werden. Wie peinlich die lasche Haltung gegenüber Drogen wie Nikotin, Alkohol und Weckaminen in einem Buch ist, das sich gerade mit der Sucht auseinandersetzen möchte, fällt auch dem unvoreingenommenen Leser auf. Daß Simmels Held zeitweise alkohol- und weckaminabhängig ist, darf nicht einfach als literarischer Mißgriff gedeutet werden.“ Vor dem neuen Simmel kann man offenbar aus wissenschaftlich-ärztlicher Sicht nur warnen.

Neues aus der DDR

Warum gingen Vopos bisher immer zu zweit Streife? Einer kann lesen, der andere kann schreiben. Warum gehen sie jetzt immer zu dritt? Einer muß auf die beiden Intellektuellen aufpassen.