HSV-Trainer ZebecBenutzt und dann gefeuert

von Gerhard Seehase

Hamburg

Es war niemand mehr da, von dem er sich hätte verabschieden können. Sie hatten ihn allein gelassen im Presseraum des Hamburger Volkspark-Stadions. Nur noch seine Frau war bei ihm, als er das Cognacglas mit einem Zug leerte.

Branko Zebec, der erfolgreichste Trainer, den der HSV in seiner Bundesliga-Zeit gehabt hat, ist am Ende. Er wird nicht mehr auf die Bank am Spielfeldrand zurückkehren. Der HSV sah keine andere Möglichkeit mehr, als ihm mitten in der Saison zu kündigen.

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Der Schlußpunkt dieser menschlichen Tragödie wurde nach dem 4 : 1-Sieg des HSV gegen München 1860 gesetzt, als der Hamburger Trainer betrunken zur Pressekonferenz kam, zu keiner vernünftigen Aussage fähig. Und auch HSV-Manager Günter Netzer, der den Jugoslawen Zebec 1978 nach Hamburg geholt hatte („er ist ein Glücksfall für uns“), traf keine energischen Anstalten mehr, seinen alkoholisierten Trainer zurückzuhalten. Als Branko Zebec den Presseraum betrat, hatte er seine letzte Chance bereits verspielt. Die Entwicklung, die der HSV-Vorstand nicht zu steuern vermochte – und letztlich auch nicht mehr abwenden wollte –, war vorgezeichnet. Seit Monaten.

Gewiß, Branko Zebec, der nach einer schweren Operation an der Bauchspeicheldrüse nie mehr ganz gesund geworden war, nahm seit Jahren Zuflucht zum Alkohol. Aber erst, als ihn am 18. April 1980 – er war allein mit dem Wagen auf der Fahrt zum HSV-Spiel in Dortmund – die Polizei auf der Autobahn stoppte und bei ihm einen Alkoholgehalt von 3,25 Promille feststellte, wurde die Öffentlichkeit aufmerksam. An diesem Tag beging der HSV seinen größten Fehler. Niemand war da, der dem torkelnden Trainer den Zutritt zur Trainerbank im Dortmunder Stadion verwehrte; dafür waren die Photographen da, die das traurige Bild auf die Platte bannten.

Der HSV reagierte erst danach. Einen ähnlichen Fall dürfe es nicht noch einmal geben. Sonst müsse man die Konsequenzen ziehen. Doch der kranke Branko Zebec erhielt keine Hilfe. Aber gebraucht wurde er noch, als einer „der besten Bundesliga-Trainer“, wie ihn selbst der ehemalige Bundestrainer Helmut Schön nannte.

Branko Zebec also trank weiter. Trotzdem machte er seine Arbeit. Die Spieler hielten zu ihm. Aber als er eines Tages betrunken auf dem Trainingsgelände des HSV in Ochsenzoll auftauchte, machte dies wieder Schlagzeilen. Und am 29. Juli teilte das HSV-Präsidium offiziell mit, „daß ein nochmaliger Vorfall vergleichbarer Art eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht“. Von einer Entlassung sah man beim HSV auf Bitten der Mannschaft ab. Zebec wurde noch gebraucht, als Garantie für den Erfolg.

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