DIE ZEIT

Der letzte Deich

Der zurückgetretene polnische Ministerpräsident Pinkowski, so erzählt man sich in Warschau, habe gelegentlich mit beißender Ironie darauf verwiesen, daß sein Schicksal dem des letzten russischen Regierungschefs Kerenskij gleiche.

Die Krise läßt den Kanzler kalt

Es ist inzwischen eine Standard-Formel der politischen Polemik: Der Kanzler müsse sich energischer, kämpferischer präsentieren; das sei nicht mehr der alte Helmut Schmidt, sondern ein Mann, der von Entscheidungen rede, statt sie zu treffen, der es an Führung fehlen lasse.

Unruhe auf Axel Springen Flaggschiff: Des Fahrstuhlfahrens Ieid...

Er hat einen jener Fünfjahresverträge, für die Top-Angestellte gemeinhin alles tun, damit sie verlängert werden; und die Leute, die das Gras in den Fugen des Springer-Hauses wachsen hören, glauben nicht, daß er sich von der goldenen Leine löst, zumal das andere Ende der Mann in der Hand hält, den er ohne Scheu vor dem großen Wort als „Genie“ gepriesen hat und desssen Charme zudem niemanden je an ein Herr-Hund-Verhältnis denken ließ.

Worte der Woche

„Ich sehe die Lage der Regierung so, daß die beiden entscheidenden Säulen, auf denen sie ruhte, das ökonomische und außenpolitische Krisenmanagement, rasch zerbröckeln.

Zeitspiegel

Die sowjetischen Soldaten in Afghanistan nehmen immer stärker Zuflucht zu Drogen. Auf den schwarzen Märkten von Kabul und anderen größeren Städten decken sie sich mit schmerzstillenden Narkotika und anderen Rauschmitteln ein.

Krise in Kiel: Rückblick im Zorn

Im Dienstzimmer des ansehnlich bezahlten Kieler Oppositionschefs (rund anderthalb Abgeordneten-Diäten) hängt kein Photo vom Bundeskanzler.

Nation - ja, National-Staat - nein

Das Rezept klingt einfach: Wir erkennen die DDR innerlich an, verzichten ihr gegenüber auf den Begriff der Nation, pflegen ein ausschließlich auf die Bundesrepublik Deutschland bezogenes Gefühl nationaler Identität – und schon ist das deutsche Problem gelöst, das uns ja ohnehin nur von einigen reaktionären Träumern, von den letzten Epigonen der Bismarckschen Reichsgründung, eingeredet wird.

Afghanistan spaltet die Blockfreien

Am Montag begann in Delhi die Außenministerkonferenz der blockfreien Staaten. Die 95 Delegationen sind so zerstritten wie eh und je – vor Sachentscheidungen steht jetzt die verbale Bewahrung der Einheit.

Berlin - mit und ohne Rückfahrkarte

Polen und Ronald Reagan: diese Namen werden einstweilen die Begrenzungspfähle für jegliche Deutschlandpolitik bilden. Solange sich nicht abschätzen läßt, welches Schicksal der Gewerkschaft „Solidarität“ beschieden ist und welche Ostpolitik die neue amerikanische Administration tatsächlich verfolgt, werden die innerdeutschen Beziehungen beim Status quo bleiben.

Japan: Streit um die Kurilen

Alle japanischen Versuche, Moskau zu Verhandlungen zu bewegen, stießen auf taube Ohren. Ministerpräsident Zenko Suzuki mobilisiert nun die Öffentlichkeit zu einem „Tag der nördlichen Territorien“, um seinerseits die seit 1945 besetzten südlichsten Kurilen-Inseln im Nordosten Japans von der Sowjetunion zurückzufordern.

Polen: Die Weichen werden neu gestellt

In Polen wurden die Weichen neu gestellt. Von Ministerpräsident Wojciech Jaruzelski erwartet die Partei, daß er konsequenter mit der Gewerkschaft Solidarität umgeht.

EI Salvador: Tod aus verchromten Läufen

Von oben betrachtet wirkt das kleine Land El Salvador, eingeklemmt zwischen Guatemala, Nicaragua und dem türkisblauen Pazifik, wie ein kostbares, zusammengerafftes, grünes Samttuch.

Rallye San Salvador: Tödliches Rennen

Orlando Somoza ist ein lächelnder, untersetztrundlicher Mann im weißen Nylonhemd. Mit seinem Taxi, einem quittegelben Datsun, fährt er das tägliche Rennen zwischen dem Aeropuerto, dem internationalen Flughafen von El Salvador, und der Hauptstadt der kleinsten lateinamerikanischen Republik.

Parteienkrach um El Salvador: Aufs falsche Pferd gesetzt

Auf Dauer war der Bonner Hauskrach um El Salvador unvermeidlich; hilfreich ist er nicht. Bonn verurteilt zwar mit gedämpfter Stimme die Gewalt von links und rechts und drückt den Wunsch nach Frieden aus: Hinter den gemeinsamen Phrasen verbirgt sich indes verhaltene Kritik an Washingtons Bereitschaft, die Junta uneingeschränkt zu unterstützen.

Richterin unter Beschuß: Kampf um die Zwillinge

Zwillinge zum Verkauf angeboten – ein unmenschliches Urteil“, mit diesem Titel entrüstete sich Report am 27. Januar über das italienische Ehepaar Tricolli und eine deutsche Richterin: Die Tricollis hätten ihre leiblichen Kinder, die dreijährigen Zwillinge Antoinette und Monika, für eine halbe Million dem deutschen Ehepaar Schulte in Lindlar bei Köln angeboten; Helga Fürbeth, Richterin am Amtsgericht Wipperfürth, habe „das Recht der Kinder grob mitachtet“.

Stadtplanung gegen die Bürger: Wie ein Duodezfürst

Der Regierungspräsident in Detmold ist ein starker Mann, denn er versteht sich durchzusetzen. Er hat bei seinem Vorhaben, die Bauten seiner wachsenden Behörde um 38 000 Kubikmeter zu erweitern, allen Einwänden getrotzt, auch allen Vermittlungsversuchen, natürlich auch jeglichen Selbstzweifeln; er hat nicht nur die weithin gerühmte Bürgeraktion Stadtsanierung, sondern der ganzen Phalanx von besorgten, aufsässigen, wenngleich intelligenten Bürgern mannhaft widerstanden.

Rundfunk-Theorie: Im Medienhimmel

Der Bereich der sogenannten Medientheorie ist immer wieder gut für eine jener absolut unleidlichen Schreibbemühungen: wichtigtuerisch, schwammig und überflüssig.

Feminismus: Kritik an der Politik

Ihr sehr schöner Name wird hierzulande den wenigsten etwas sagen: Rossana Rossanda ist Italienerin, ist Kommunistin, ist für den Kommunismus/Sozialismus in Europa eine Persönlichkeit von unbestrittener Inspiration und Kraft.

Weltkriegs-Vorgeschichte: Eine gelähmte Macht

Wenn Frankreich wirkliche Staatsmänner hätte, so würde es nicht warten, bis Deutschland wieder erstarkt sei – so soll Hitler seinen Generalen warnend und siegessicher zugleich bei Beginn der massiven deutschen Aufrüstung gesagt haben.

Hinweis

Hermann Weber: „Kleine Geschichte der DDR“. Das erwachte Interesse an der Zeitgeschichte der Nachkriegszeit spart bislang die Geschichte der Sowjetischen Besatzungszone, die zur DDR wurde, weitgehend aus.

Hatte Mozart einen Silberblick?

Das müssen noch Zeiten gewesen sein, als der Münchner Regierungschef jedes Jahr zu Karneval bei einem zeitgenössischen Komponisten eine Oper in Auftrag gab und auch uraufführen ließ.

Der ungenutzte Friede

Für die Metall-Tarifrunde dieses Jahres gelten sie – bisher wenigstens – ganz sicher nicht, Galileo Galileis trotzige Worte: Und sie bewegt sich doch.

Munition gegen die Multis

Schon die Einladung zum Gespräch ist für einen zurückhaltenden Wirtschaftsverband ausgesprochen aggressiv. Da ist von „umstrittener Marketingkonzeption“ die Rede, von „Knebelungsverträgen“ oder bemerkenswerten „wirtschaftlichen Überzeugungsmethoden,.

Glöggler: Besserwisser

Kaum platzte nach zwei Jahren in Augsburg der „Stellvertreter-Prozeß“ gegen den Sohn des 1976 pleite gegangenen Textilkönigs, weil sich das Gericht mit einem Mal für befangen erklärte, da meldet sich der im Ausland flüchtige Vater aus dem Untergrund und sucht aufs Neue seinen Ruf zu retten.

Bonner Kulisse

Wenn Ernstes unernst und Wichtiges belanglos gemacht werden soll, dann flüchten sich Politiker gern in dünne Witzeben, So tat es auch Hans Jürgen Junghans, Vorsitzender des wirtschaftspolitischen Arbeitskreises der SPD-Bundestagsfraktion, als jetzt ein höchst lesenswertes, detailliertes und politisch brisantes Positionspapier aus seinem Arbeitskreis in die Öffentlichkeit durchsickerte.

Landwirte: Der ideale Lebenszweck

Am 14. Februar wollen die Bauern „auf die Straße gehen“, um ihre Mitbürger „sachlich und nüchtern“ zu informieren. Gleichzeitig wollen sie gegen Sparpläne der Bundesregierung, die die Landwirtschaft betreffen, protestieren.

Die Riesen fühlen sich zu klein

Der Professor suchte Trost bei Till Eulenspiegel. Der Schalk, so fabulierte Hoechst-Boß Rolf Sammet vor Publikum, habe dereinst beim Marsch über die Alpen just immer dann lauthals gejubelt, wenn es gerade mühselig bergauf ging – weil er sich schon auf den kommenden leichten Weg bergab freute.

Japan: Tokio senkt die Zinsen

Tokio rüstet in diesen Tagen für eine neue Diskontsenkung um wahrscheinlich ein volles Prozent auf 6,25 Prozent. Fast ausnahmslos deuten die gesamtwirtschaftlichen Indikatoren zügige Leitzinssenkungen im laufenden Jahr an, die sich Tokio ganz im Gegensatz zu Frankfurt trotz der Dollarhochzinsen aus währungspolitischen Gründen erlauben kann und muß.

Unterhaltungselektronik: Video als Lückenbüßer

Das eigentlich Überraschende daran: Die Philips-Manager entschieden, daß auch in der Bundesrepublik, nämlich im Fernsehgerätewerk Krefeld, Videorecorder vom Band realen sollen – und zwar noch in diesem Jahr.

Belgien: Lohnpolitik mit dem Knüppel

Petrus, der Wettermacher, hatte ein Herz für die Streikenden. Mit einem Eisregen, der innerhalb weniger Augenblicke Autobahnen, Landstraßen und Verkehrswege in den Großstädten in eine gefährliche, spiegelglatte Fläche, verwandelte, trug er am Donnerstag der vergangenen Woche dazu bei, daß der 24stündige Ausstand der 40 000 Arbeiter des öffentlichen Nahverkehrs zu dem beabsichtigten Chaos in Belgien führte.

Berliner Zeitungsmarkt: Sabets Millionen-Abenteuer

Hossein Sabets Vorgänger haben immer nur halbe Sachen gemacht. Die früheren Verleger der Berliner Zeitung „Der Abend“ konnten das kranke Blatt nicht revitalisieren, aber sie mochten es auch nicht sterben lassen.

Bürokratie: Sparen bei den Damen

Die Mitglieder im Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages schicken sich an, ihren Ruf als parlamentarische Pfennigfuchser ad absurdum zu führen: Nach den Vorstellungen der Abgeordneten sollen 20 000 Sekretärinnen der Bonner Ministerien und der ihnen nachgeordneten Behörden büßen, daß der Bund mehr denn je knapp bei Kasse ist; das Forschungsprojekt zur Humanisierung der Schreibdienste in den Bonner Bundesbehörden soll ersatzlos gestrichen werden.

Politik gegen die Ökonomie

Der Fall Brokdorf bietet gute Aussichten, sich zu einem juristischen Lehrstück für Wissenschaft und Rechtsprechung auszuweiten.

Schaukampf ohne Folgen

Wird Hans-Ulrich Klose, Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, doch noch um einen seiner größten politischen Erfolge gebracht? Der Parteitag der Hamburger SPD folgte noch dem Bürgermeister und stimmte gegen die Beteiligung der Hansestadt am Kernkraftwerk Brokdorf.

Manager und Märkte

Thyssen-Chef Dieter Spethmann, bisher erklärter Gegner von Subventionen für die deutsche Stahlindustrie, unterzieht sich derzeit einem Sinneswandel.

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