Nach etwa 15 Jahren bewußter politischöffentlicher Arbeit sehe ich keinen Sinn mehr, diese Arbeit fortzusetzen. Ich bin nicht behindert worden, ich hatte bei meiner Arbeit nicht mehr Schwierigkeiten wie andere – eher weniger –, ich habe, wo es darauf ankam, Solidarität erfahren. Wenn ich dennoch aufhöre, mich in die Angelegenheiten dieser Republik einzumischen, dann aus drei Gründen:

  • Ich will keine Stellvertreter-Kriege mehr führen und mich jeden Tag über Sachen aufregen, über die sich die Mehrheit der Deutschen nicht aufregt. Es gebt nicht auf die Dauer, daß die Geschichte vor allem auf dem Rücken ihrer Opfer bewältigt wird.
  • Ich habe hier viele persönliche Freunde, aber so gut wie keine politischen Verbündeten. Die rechten „Philosemiten“ nach der Art von Strauß und Springer kamen für mich als Verbündete nie in Frage, weil ich mich nicht mit Reaktionären liieren kann, nur weil sie zufällig grade mal die Juden lieben.
  • Andererseits: ich kann nicht an der Seite von Linken gegen Reaktion und Repression streiten, die mich nur so lange akzeptieren, wie ihnen mein Judentum – ein sehr rudimentäres –, nicht störend aufstößt. Zu diesem Judentum gehört auch die – Einsicht, daß ein jüdischer Staat eine historische und politische Notwendigkeit ist, an der nicht gerüttelt werden darf.

Die Linken hierzulande haben über sehr vieles sehr gründlich nachgedacht: Über die Linke im Rechtsstaat, über Frauen in der Männergesellschaft, über Arbeiter im Kapitalismus, über Kunst im Kommerz. Nur wie sich Juden in der Nach-Auschwitz-Landschaft angesichts des linken antizionistischen Gebrülls fühlen – diese Frage ist ihnen noch nie in den Sinn gekommen.