Gesprächsfaden

Die polnischen Wechselduschen halten an. Husak droht, Breschnjew beschwichtigt, Washington poltert, Bonn betet. Bundesaußenminister Genscher ist mit dem Gefühl aus Moskau zurückgekehrt, die westlichen Warnungen vor einer sowjetischen Invasion Polens seien verstanden worden. Der Bundeskanzler hat die Einladung an Breschnjew zu einem Arbeitsbesuch in der Bundesrepublik erneuert; von einem Termin im Herbst ist die Rede.

Die Einladung hat einen doppelten Zweck. Der Bundeskanzler will an dem Moskauer Faden weiterspinnen, solange etwas daran ist; die Alternative zur Konfrontation ist der Dialog. Aber er schafft mit der Einladung auch ein Instrument, Mißfallen und Widerstand zu signalisieren, wenn Moskau trotz aller Warnungen in Polen auf Unterdrückung schaltet. Wer einlädt, kann auch ausladen.

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Nicht, daß die Vorfreude auf einen Besuch am Rhein Breschnjew am imperialen Dreinschlagen hindern würde, wenn er dies für nötig hielte. Doch weiß er: Entschlösse er sich wirklich zur Intervention, zu seinen Lebzeiten würde er eine Rückkehr zu Entspannung und Zusammenarbeit nicht mehr erleben. Übt er Zurückhaltung, läßt sich der Faden fortspinnen. Th. S.

 
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