Warum durfte ein dänischer Journalist nicht nach Brokdorf? Bonn läßt sich viel Zeit

Am 28. Februar, dem Tag der großen Brokdorf Demonstration, war in der Bundesrepublik die Sorge um die Sicherheit besonders groß. Ein Opfer hektischer Gefahrenabwehr wurde am Grenzübergang Eilung bei Flensburg der dänische Journalist Torgny Möller: Die deutschen Grenzer verweigerten ihm die Einreise und stempelten ihm den Sichtvermerk „Zurückgewiesen" in seinen Paß.

Torgny Möller arbeitet für die dänische Tageszeitung Information. Am 28. Februar hatte der 35jährige den Auftrag, über die Demonstration bei Brokdorf zu berichten. Als er morgens an der Grenzstation vorfuhr, saßen in seinem Auto auch drei Mitglieder der Organisation für Aufklärung über Atomkraft (OOA), ein Dachverband dänischer Bürgerinitiativen. Sie waren von ihrer Organisation als Beobachter nach Brokdorf geschickt worden.

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Zunächst beschäftigten sich die Grenzbeamten eine halbe Stunde läng mit den OOA Leuten und verweigerten ihnen nach einigen Telephonaten die Einreise. Torgny Möller bat, man möge wenigstens ihn weiterfahren lassen. Die Beamten fragten ihn, was er in Deutschland wolle, und er antwortete wahrheitsgemäß, er sei für seine Zeitung unterwegs nach Brokdorf, um über die Demonstration gegen den Bau des dort geplanten Kraftwerkes zu berichten.

Ich hätte natürlich lügen können", sagt Möller heute „Da fahren ja ständig Dänen über die kaufen. Aber ich sah keinen Grund, meinen journalistischen Auftrag zu verschweigen "

Die Beamten nahmen seinen Paß und den Presseausweis an sich, telephonierten noch einmal eine Viertelstunde und drückten Möller dann das Dokument mit dem Stempel „Zurückgewiesen" in die Hand. Eine mündliche oder schriftliche Begründung wollten sie nicht geben „Die Grenzbeamten waren höflich und freundlich", erinnert sich Möller, „hatten aber offensichtlich keinen Einfluß auf die Entscheidung "

„Nicht sehr witzig" findet Möller auch, daß ihm auf seinen nachfolgenden Auslandsreisen in die Schweiz und nach Frankreich wegen des Stempels „Zurückgewiesen" an Grenzübergängen Schwierigkeiten gemacht worden sind. Wenn er ganz sichergehen will, trotz des Vermerks ans Ziel zu kommen, kann er eigentlich die Bundesrepublik nur noch im Flugzeug überqueren. Der Fall fand in Dänemark ein lebhaftes Echo. Das Außenministerium schaltete sich ein, und der Sprecher der deutschen Botschaft hatte gegenüber, der Presse einen schweren Stand „Das klingt ganz sonderbar", meinte er zu der Einreiseverweigerung. Ob die deutschen Behören nicht wollten, daß die dänische Öffentlichkeit über Brokdorf informiert werde? — „Nein, nein, davon kann keine Rede sein "

Einen Angriff auf die Pressefreiheit sieht auch der schleswig holsteinische Journalisten Verband in dem „törichten" Vorgehen der Grenzbehörden, das zudem „negativen Stimmen gegenüber der Bundesrepublik in Dänemark Auftrieb" gebe. Der Deutsche Presserat hat beim Bundesinnenministerium Protest eingelegt.

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