Bremsklötze in der Lohnrunde
Warum die Tarif Verhandlungen in der Metallindustrie so lange dauern /Von Erika Martens
Die Metall Tarif runde dieses Jahres hat alle Chancen ins Guiness Book of Records einzugehen. Superlative hat sie reichlich zu bieten: Sie ist die seit langem bedeutsamste, wohl auch schwierigste Runde, dazu eine der spannendsten und auf jeden Fall die längste. Zudem: Noeh nie gab es so viele Warnstreiks. Kenner der Verhandlungsszene allerdings beschreiben das, was sich in den letzten fünfzehn Wochen hinter verschlossenen Türen zwischen den Unterhändlern der IG Metall und denen des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall abspielte, mit weit weniger positiven Vokabeln.
Ein Vertreter im. Unternehmerlager spricht schlicht und durchaus selbstkritisch vom Affenzirkus "> und ein Gewerkschafter denkt darüber nach~Qb~ni6ht4%blagwert- vora :
Tarifpokerdoch einen wahren Kern habe: Beim Pokern gehe es schließlich auch nicht immer ganz seriös zu. Fast sechzigmal haben sich die Tarifparteien seit Mitte Januar in den verschiedenen MetallBezirken getroffen. Doch das sagt wenig. Denn die weit überwiegende Zahl der Termine waren, so ein Arbeitgebervertreter, „nichts als Begegnungen, ein sinnloses und teures Herumsitzen hochbezahlter Leute". Nur bei einem halben Dutzend Sitzungen sei wirklich verhandelt worden. Die IG Metall sieht das ähnlich. Nach ihrem Eindruck — und der Tarifkalender beweist dies — sind fast immer nur in Hessen ernsthafte Verhandlungen geführt worden „Die Arbeitgeber haben", so IG Metall Sprecher Klaus Lang, „schon frühzeitig deutlich gemacht, daß dieser Bezirk ihr Wunsch Pilotgebiet ist "
Die entscheidenden Schritte dieser MarathonTarifrunde wurden denn auch vornehmlich in Frankfurt getan. Dort erhöhten die Arbeitgeber am 25. Februar, kurz vor dem Auslaufen der Friedenspflicht, erstmals ihr stärreS 2 5 ProzentAngebot auf drei Prozent. Dort auch hörte die Öffentlichkeit knapp zwei Wochen später zum erstenmal von Gesprächen über 3 8 Prozent. Und dort war — ebenso wie in Nordrhein Westfalen — bereits die Vier auf dem Tisch, bevor sie offiziell in NordwürttembergNordbaden angeboten wurde, zwei Tage später erhöht auf 4 1 Prozent.
Hinter verschlossenen Türen diskutierte man dann in Hessen schon über 4 5 Prozent, bevor die Metaller in Nordrhein Westfalen am 7. April von sich aus die Zahl 4 9 und eine- gesonderte Anhebungder unteren "Lohngruppen vorschlugen, eine Formel, die allerdings sowohl vdn den Arbeitgebern als raaeh von"cfef eigenen TaiifKommission abgelehnt wurde.
In Hessen schließlich fand in der vergangenen Woche das nächtelange Tauziehen statt, bei dem die Arbeitgeber zunächst einen „Nullmonat" und ein nicht näher definiertes Volumen von knapp unter fünf Prozent boten Den Nullmonat, also einen Monat ohne Tariferhöhung, lehnte die Tarifkommission ebenso ab wie einen Tag später das Verhandlungsergebnis, das eine Steigerung von 4 7 Prozent für die Dauer von 13 Monaten vorsah. Mehr aber wollten die Arbeitgeber zu der Zeit nicht zulegen, und o beantragte die hessische Gewerkschaftsriege wie schon ihre Kollegen im Nordverbund, >in Niedersachsen und Nordrhein Westfalen beim Vorstand das Scheitern der Verhandlungen.
Beiden Seiten fiel die Annäherung diesmal offenbar ganz besonders schwer und entsprechend mühsam und langwierig ist die Prozedur. Doch nicht nur das allgemeine Schlechtwetter der Konjunktur mit explodierenden ölpreisen und steigender Arbeitslosigkeit, hohem Defizit in der Leistungsbilanz und sinkendem Wirtschaftswachstum macht den Kompromiß in diesem Jahr so schwer. Auch verbandsinterne Probleme trugen zur Verhärtung auf beiden Seiten bei. Die IG Metall Spitze hatte auf ihrem Gewerkschaftstag in Berlin Zunder bekommen. Die Delegierten wollten eine aktivere Tarifpolitik und eine stärkere Dezentralisierung der Verhandlungen. Beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall dagegen drängte die Mitgliedschaft genau in die entgegengesetzte Richtung. Dojfjt bskgten Besonders die mittelständischen Unternehmen, die sich in der Vergangenheit durch manchen Abschluß überfordert fühlten, es fehle ein straffes gemeinsames Konzept.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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