Der heilige Franzfiskus schlägt zu

Auf sieben fette Jahre kann das italienische Finanzamt zurückblicken.

Denn seitdem 1974 die Selbstyeranlagung ; zur Einkommensteuer eingeführt wurde, ist die Zahl der Steuerzahler fast ebenso kometenhaft gestiegen wie der Geldsegen, den die Conabführten. Allein im letzten Jahr zahlten die Italiener 69j3 Prozent mehr direkte Steuern. Das war ein europäischer Rekord, selbst wenn man die italienische Inflationsrate von 20 5 Prozent berücksichtigt.

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Doch Rekord hin oder her, solange der damals installierte Zentralcomputer noch nicht vollständig funktionierte, konnten die Finanzminister nie so recht den Drückebergern zu Leibe rücken, die ihren Hang zur Diskretion so weit treiben, daß sie dem Finanzamt gegenüber am liebsten völlig unbekannt bleiben. Nun aber hat Francesco Reviglio zugeschlagen, ein parteiloser Finanzminister, der dank seiner Hartnäckigkeit nicht nur mehrere Kabinette überdauerte, sondern auch den Beinamen „Heiliger "Franzfiskus" verdient hat.

Erstmals legte er der Öffentlichkeit vergangene Woche eine Liste der 22 Millionen italienischen Steuerzahler vor. Der Großrechner hatte sie noch rechtzeitig vor Ostern als Beweis seiner Tüchtigkeit ausgespuckt.

Gleichzeitig zog Reviglio ein „rotes Buch" mit den Namen von 200 000 Steuerpflkktigen hervor, die dem Fiskus noch mehr als drei Milliarden Mark schuldig sind. Darunter sind 20 000 Kunden, die das Finanzamt bisher noch gar nicht kannte.

Endlich habe man die großen Sünder gepackt, frohlockten Italiens Zeitungen.

Auch der Corriere della Sera jubelte, dessen frühere Eigentümerin Giulia Maria Crespi den Reigen der angeblichen Steuerhinterzieher anführt, Denn acht Millionen Lire, nach heutigem Kurs 16 000 Mark, gab Frau Crespi als Einkommen für 1974 an, für das Jahr also, in dem sie den Corriere verkaufte. Der Fiskus verlangt jedoch 26 6 Millionen Mark von ihr.

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