Der Schlüssel zur Zukunft

er Blick zurück zeigt die Strategie: Nicht j Zufall oder eine geniale Erfindung waren die Basis für den japanischen Vorstoß auf den Weltmärkten, sondern sorgfältige Planung. Bevor das fernöstliche Inselreich zur größten Schiffbau- und Automobilnation dieser Welt aufsteigen konnte, mußte erst eine hochmoderne Stahlindustrie, die Voraussetzung für konkurrenzfähige Stahlverbraucher, aufgebaut sein. Erst nachdem riesige Stahlkombinate hochgezogen waren, konnten deren Abnehmer, die Werften und die Autofirmen, ihren Sturm auf die Weltmärkte beginnen.

In Zukunft wird nicht mehr Stahl die Basis für erfolgreiche Produkte und Produktionen sein, sondern Elektronik. Denn die kleinen elektronischen, Schaltkreise werden immer leistungsfähiger und billiger. Damit erschließen sich ihnen immer neue Einsatzmöglichkeiten; nichts scheint mehr undenkbar. Elektronik kann überall dort eingebaut werden, wo gemessen, gesteuert und geregelt wird; bei der Heizung im Wohnzimmer ebenso, wie bei komplizierten Produktionsabläufen in einem Chemiewerk; im Auto für die Regelung der Benzinzufuhr ebenso, wie in Telephonzentralen zur Steuerung der Nachrichtenströme.

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Solch ein Schaltkreis, integriert in ein fingernagelgroßes Stück Silizium, kann riesige Datenmengen in Bruchteilen von Sekunden verarbeiten. Dort, wo er mechanische Steuerungen ablöst, ist er billiger, schneller, zuverlässiger und leistungsfähiger — für jedermann ersichtlich am Beispiel der elektronischen Uhr. Die Kapazität der Elektronik macht zahlreiche neue Produkte überhaupt erst möglich — ohne die Siliziumplättchen gäbe es keine Taschenrechner und keine Videorekorder. In den nächsten zeha Jahren soll der Elektronik Weltmarkt von heute 740 Milliarden Mark auf 1 7 Billionen Mark wachsen — und damit das Dreifache des heutigen Automobilmarktes erreichen.

Und Japan ist darauf bestens vorbereitet. „Konsequent und kompromißlos haben sich die Japaner deshalb schon Anfang der siebziger Jahre entschlossen, eine Elektronikindustrie als Basis für die Entwicklung in der Zukunft im eigenen Lande aufzubauen", urteilt Klaus Luft, stellvertretender Vorstandsvorsitzender bei dem deutschen Computer Hersteller Nixdorf in Paderborn „Schon vor zehn Jahren haben wir den Schwerpunkt auf die Elektronik gelegt", bestätigt Toshio Doi, Chef des zentralen Forschungslabors bei dem japanischen Elektrokonzern Hitachi, seitdem geben wir Jahr für Jahr achtzig Prozent unserer Forschungs- und Entwicklungsgelder für Elektronik aus "

Die Forschung läßt sich Hitachi einiges kosten. Das Labor liegt im Stadtgebiet von Tokio — und trotzdem im Grünen; für japanische Verhältnisse ein verschwenderischer Luxus. Es wird umrahmt von einem kleinen Wäldchen, angesichts der horrenden japanischen Grundstückspreise ein Privileg, das in Yen schon gar nicht mehr zu messen ist.

Nicht Hitachi allein steckt seit einem Jahrzehnt große Summen in die Elektronikforschung, andere Firmen treiben einen ähnlichen Aufwand. Und nicht nur ein großer Konzern — wie in der Bundesrepublik Siemens — wurde in Japan vom Staat beim Aufbau einer konkurrenzfähigen Elektronikprbduktion unterstützt, sondern eine ganze Gruppe. Gemeinsam entwickelten die Elektrokonzerne neue Schaltkreise — und stehen jetzt mit ihren Produkten wieder, in hartem Wettbewerb (Siehe: S. 24, „Von Feinden und Brüdern") „Dort gibt es nicht nur eiöen Starken (Siemens) und einen Schwachen (AEG) wie bei uns", meint Nixdorf Manager Luft.

Der Erfolg gab der japanischen Strategie recht: Schaltkreisen Ende der sechziger Jahre anfingen, waren wir vier bis fünf Jahre hinter den führenden USA zurück, inzwischen sind wir gleichauf", analysiert Ichizo Yamauchi vom Namüra Forschungsinstitut die Wettbewerbslage „Gleichauf bedeutet dabei, daß die zur Zeit angebotenen elektronischen Schaltkreise, die sogenannten Chips, aus japanischer Produktion ebenso leistungsfähig sind wie Produkte aus Amerika. „Die Siliziumplättchen aus Femost sind darüber hinaus aber von höherer Qualität", behauptet sehr zum Ärger feiner heimischen Lieferanten Fabriken rund fünfzig Prozent der Werkzeugmaschinen mit elektronischen Steuerungen bestückt werden, sind es in der Bundesrepublik nur zwanzig Prozent.

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