Eiserne Ration und Kniebundhose - Tips für die Alpintour
Bergwandern und Bergsteigen ist nicht dasselbe. Bergwandern können Kinder ebenso wie rüstige Greise. Auch ohne Kletterpartien auf gesicherten Steigen oder gar Gletscherbegehungen erschließt sich dem Wanderer auf markierten Höhenwegen die ganze Schönheit und der Zauber der Bergwelt. Auf Berghütten, die im Sommer meist bewirtschaftet sind, werden dem Wandelet warme Mahlzeiten und Übernachtungsmoglichkeiten geboten Dennoch sollte er alles mit ich fuhren, was er benotigt, um notfalls einen Tag schadlos übet stehen zu können Die deutschen Alpen bieten dem Bergwanderer eine Vielzahl an Möglichkeiten für heimliche Touren bis in fast 3000 Meter Hohe. Die Wege sind teilweise für weniger Erfahrene, teilweise aber auch nur für Geübte geeignet. Aus diesem Grunde ist es unerläßlich, sich jeweils vor Antritt der Wanderung über Schwierigkeit, Lange und Verlauf der Route sowie über Öffnungszeiten der Hütten zu informieren. Auskünfte geben hier die Fremdenverkehrsamter, Bürgermeistereien, Wanderclubs und Sektionen des Deutschen Alpenvereins- (DAV) Das Hochgebirge ist eine extreme ; Landschaft, und seine Gefährlichkeit wird oft leichtsinnigerweise vollkommen verkannt. Die Unkenntnis der alpinen Gefahren und grenzenloser Leichtsinn fordern Jahr für Jahr zählreiche Opfer.
Der vorsichtige Bergwanderer wählt seine Tourenbekleidung immer für das schlechteste Wetter, mit dem er zu der betreffenden Jahreszeit in dem Tourengebiet rechnen muß. Auch führt er stets eine „Eiserne Ration" an Proviant mit. Für die Ausrüstung gelten folgende Regeln: Leichte Höhenwege bis ca. 1800 Meter begeht man mit festen Bergschuhen beziehungsweise guten Leichtbergschuhen mit rutschfesten Profilsohlen, widerstandsfähigen Kniebundhosea, einem leichten Pullover sowie einem winddichten Anorak mit Kapuze Höhenwege bis etwa 2400 Meter, gletscherfrei, erfordern eine erweiterte Ausrüstung. Zusätzlich sollten hier Handschuhe;, Wollmütze, Unterwäsche, Schneebrille, Notproviant sowie Haut- und Lippenschutzcreme mitgeführt werden.
Höhenwege bis etwa 3000 Meter, noch gletscherfrei, sollten nur von alpin erfahrenen und ausdauernden Bergwanderern begangen werden. Sie führen zusätzlich einen zweiten Wollpullover, Ersatzstrümpfe, Überhandschuhe sowie einen, leichten Perlonzeltsack mit sich. Empfehlenswert ist auch ein Eispickel, der bei der Passage gefrorener Firnreste gute Dienste zu leisten vermag ; Anfänger dürfen mangels Erfahrung nie alleine im Hochgebirge wandern. Aber auch der Erfahrene sollte immer inen Begleiter haben, denn er kann beispielsweise durch Verletzungen oder Schwächeanfälle auch in Lebensgefahr kommen, wenn niemand da ist, der ihm Hilfe leistet oder holt. Wer mit schwächeren Gefährten wandert, muß sich stets an der Leistungsfähigkeit der anderen orientieren. In derartigen Fällen ist meist, auch das Mitführen einer 30 m langen 6 mm Reepschnur angebracht, um diese Begleiter bei schwierigen Wegstücken absichern zu können In diesem Zusammenhang ist auch die rechtliche Lage interessant: Wer Ungeübte und Unerfahrene mit auf Tour nimmt, hat sich um deren Sicherheit zu sorgen. Als der Überlegene hat er eine Schutzfunktion und ist zur Ausrüstungskontrolle ebenso verpflichtet wie zum. Ergreifen der nötigen Vorsichtsmaßnahmen während der Tour. „Objektive Gefahren" wie Steinschlag, Lawinen, Kälte, Nässe, Nebel, Gewitter, Stürm, Sonnenbestrahlung und deren Vorboten muß Jeder Bergwanderer kennen, damit er die geeigneten Sicherheitsmaßnahmen treffen kann. Besonders die Gefahren der Sonne werden oft nicht als solche erkannt, was dann nicht selten zu schweren Sonnenbränden mit Fieber und so weiter fuhrt.
„Subjektive Gefahren" liegen nicht in der Bergnatur, sondern stets im Menschen begründet. Mangelndes Training, geringe körperliche Leistungsfähigkeit, schlechte Beherrschung alpiner Techniken, Nichtbeachtung der Vorsichtsregeln, Leichtsinn, Obermut, falscher Ehrgeiz und Unkenntnis alpiner Gefahren sind hier aufzuführen. Hier helfen nur Besonnenheit, Selbstdisziplin und Gewissenhaftigkeit. Dazu zählt ferner, daß man sich als „Flachländer" für die Höhenanpassung genügend Zeit läßt. Bergwanderungen führen oft in einsame Gegenden, wo man dem Wetter ausgesetzt ist, wie es sich gerade ergibt. Da eine lange Tour zwischen zwei Hütten oft nicht mehr abgebrochen werden kann, hilft hier nur die beständige Beobachtung des Wetters.
Ein Bergwanderer kennt das „alpine Notsignal" und wendet es nur bei absoluter Gefahr an, also wenn sich jemand verletzt oder verirrt hat. Das Notsignal besteht aus sechs sichtbaren oder hörbaren Zeichen pro Minute in regelmäßigen Abständen. Danach wartet man eine Minute und setzt dann die Zeichengebung fort. Dieser Vorgang wiederholt sich ständig, bis man eine Antwort erhält Sie besteht aus drei regelmäßigen Zeichen pro Minute.
Das Wandern auf einem Steig ist etwas anderes als das gemütliche Gehen auf einem ebenen Weg. Es ist durch sechs wesentliche Merkmale gekennzeichnet: 1. Während einem aufmerksamen Schreiten suchen die Augen ständig den Weg.
2. Die Füße werden hüftbreit aufgesetzt, vor allem beim Bergwandern mit Rucksack.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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