Reifenmarkt Hochzeit ohne Ehe
-nicht mehr trennt", hatte der italienische Konzernen sf Leopolde Pirelli begeistert ausgerufen, als seine Gruppe 19 70 je 49 Prozent Beteiligungmit- dem britischen Dunlop Konzern austauschte. Doch jetzt bemüht man die Scheidnngsariwälte, um in Frieden auseinanderzugehen. Eine großeÜberraschung ist "die Auflösung der Lebensgemeinschaft zwischen Dunlop und Pirelii nicht. Erstaunlich äst vielmehr, daß dieser Schritt so "lange hat auf sich warten lassen. DunlopVprsitzender Sir Campbell Fräser enthülltejetzt, daß er seit 1978 immer mal wieder mit Leopoldo Pirelli über Scheidung gesprochen hat. Daß er das Ende des Zusammenlebens bis jetzt nicht sehr aktiv betrieb, hängt- wofel einmal - damit zusammen, daß Dunlop in der letzten Phase der schwächere Partner war. Zum ändern fiel es der alten Dunlop Garde schwer einzugestehen, daß raan einen. Fehler gemacht hatte, als man vor elf Jahren die Union einging.
DiePar tner waren damals gleich stark. Ihre große gemeinsame Aufgabe sahen sie im Reifengeschäft: Damit wollten sie >an die vorderste Stelle in der Welt rücken. Der damalige DunlopVorsitzende Sir Reay Ged des entwarf das große strategische Konzept: Die Europäische Wirt schaftsgememsbhaft hatte sien formiert und einen größeren Binnenmarkt geschaffen Großbritannien war zwar von de Gaulle zurückgewiesen worden, aber es konnte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Land Mitglied werden würde. Es galt, sich rechtzeitig für die Chancen des größeren Marktes undfür den Wettbewerb mit der Konkurrenz in Europa und den USA zu rüsten. Pirelli erschien als der richtige Partner. Die beiden Konzerne ergänzten sich gut in technischer , Hinsicht und der Vertretung auf den verschiedenen Märkten in Übersee. Keiner behinderte den arideren: Von 23 Ländern, in denen die Partner Fabriken unterhielten, gab es nur zwei, nämlich die Bandesrepublik und Großbritannien, in denen beide zugleich produzierten. Pirelli pflegte beson der? das Kabelgeschäft, das heute 45 Prozent von fast, zehn Milliarden Mark W eltümsatz des iti- lieaischen Konzerns bestreitet Dunloplteß seine Fürsorge den großen Gummiplantagen in Malaysia angedeihen und pflegte als Hobby die Sportartikelproduktion -Einer schien für den anderen wie geschaffen. Eine Fusion erschien nicht möglich, also fand man den Weg gegenseitiger Minderheitsbeteiligungen.
Die EG Behörden in Brüssel waren begeistert: Das war eine europäische Vereinigung nach ihrem Geschmack. Roms Regierung gefiel der Pakjt ebenso wie dem Königreich Britannien, das sogar eigens einige Steuervorschriften änderte, um sie an die Zweisamkeit der Gummipartner anzupassen.
Danlop und Pirelü lösen nach ! elf Jahren erfolglos Zusammenarbeit ihre VerMödHBg auf Doch die große Enttäuschung kam sehr schnell, Pirelli wurde von der Konkurrenz im Geschäft nvit den aufkommenden Gürtelreifen überholt und macate Verluste. Dunlop schrieb auf die italienische Beteiligung die damals beachtliche Summe von 41 5 Millionen Pfund ab. Noch heute wird darüber gestritten, ob Dunlop das hätte voraussehen oder Pirelli - den Partner vor der Verlobung hätte warnen müssen. Jedenfalls iiel sehr schnell ein Schatten auf die Verbindung. Die Balance war gestört.
Als Pirelli während der sozialen Kämpfe zwi schen 1972 und 1974 mit seinen italienischen Werken in Schwierigkeiten kam, beteiligte sich Dunlop nicht an der Sanierung. Sein Kapitalsank deshalb von 49 auf 1 9 Prozent.
Später wurde dann Dunlop auf dem heimischen Markt von der Rezession im Automobilbau leftig getroffen und mußte seine Reifenproduktion scharf reduzieren. 1980 entstand hier ein Verlust von 22 Millionen Pfund. Die Dunlop Holding, also die Muttergesellschaft, wies einen Nettoverlust von 15 Millionen Pfund aus nach einem Gewinn von nur zwei Millionen Pfund im Vorjahr. Pirelli hingegen war wieder erstarkt, zeigte Gewinne und keine Lust, nun mit den Eriten die Verluste zu tragen.
Spätestens an diesem Punkt wurden dem Dunlop Präsidenten Sir Campbell Fräser und Sgnor Leopoldo Pirelli klar, daß ihre Wege auseinandergingen. Die Minderheitsbeteiligungen werden in diesem Jahr zurückgeführt. Dunlop erwartet außerdem eine Nettozahlung in Höhe von 22 Millionen Pfund von Pirelli.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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