Neu auf dem MarktiVarta. Schlummer-AÜas. Rast auf Reisen Hotelverführer

Nun wissen wir es endlich: Die Bundesrepublik Deutschland hat 22 „Luxus Hotels", keins mehr, keins weniger. Diese 22 sind angeblich: (1) Brenners Park Hotel, Baden Badeni (2) Römerbad, Badenweiler, (3) Kurhotel Traube, Baiersbronn Tonbach, (4) Bristol Hotel Kempinski, Berlin, (5) Maritim, Braunlage, (6) Park Hotel, Bremen, (7) Bühlerhöhe, Bühl, (8) Breidenbacher Hof, Düsseldorf, (9) Frankfurter Hof, Frankfurt, (10) Plaza, Frankfurt, (11) Atlantic, Hamburg, (12) Vier Jahreszeiten, Hamburg, (13) Park Hotel Adler, Hinterzarten, (14) Excelsior Hotel Ernst, Köln, (15) Dom Hotel, Köln, (16) Kurhaus, Bad Kreuznach, (17) Schloßhotel, Kronberg, (18) Continental, München, (19) Bachmair am See, Rottach Egern, (20) Sonnenalp, Sonthofen, (21) Graf Zeppelin, Stuttgart, (22) Maritim Strandhotel, Travemünde.

So behauptet es die letzte Ausgabe des „Aral Schlummer Atlas". Das Auswahlprinzip ist dabei nicht ganz klar. Vermutlich sind einige Hoteliers auch froh, nicht unter „Luxus" geführt zu werden. Dieses Wort beschwört ja leicht neben der alten Schwellenangst neue, unangenehme Vorstellungen von Spesenrittern, alten Reichen, sinnlosem und dabei säuteurem Aufwand.

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Man darf vermuten: so ist es nicht gemeint. Diese 22 sollen schlicht sehr, sehr gute Hotels sein, die besten in Deutschland. Daß das Beste nicht immer billig zu haben ist, versteht sich von selbst.

Schaun wir uns diese „Besten" näher an. Da haben wir ein paar Etablissements mit einem soliden Ruf, der auch durch das eine oder andere persönliche Unlust Erlebnis nicht gefährdet werden kann. Ganz sicher gehören sie (l, 4, 8, 9, 11, 12, 17) in jede Bestenliste, wie immer sie sidi nennt. Bei anderen (6, 7, 14, 15, 18) ist vom großen Ruf inzwischen doch einiges abgeblättert. Es gibt den guten alten, durch Erfahrung hundertfach gestützten Lehrsatz: Kettenhotels sind keine Luxushotels. Die Schlummerer weichen gleich sechsmal (5, 9, 10, 16, 21, 22) davon ab, Nur im Falle des Frankfurter Hofes kann das als berechtigt erscheinen. Deutsche Kettenhotels werden besser behandelt, was allenfalls dort angebracht ist, wo der deutsche Gast sich in einem Hilton oder Inter Continental nur mühsam verständlich machen kann, was freilich auch in einem Steigenberger Hotel passiert Warum von allen ausländischen Kettenhptels nun ausgerechnet das Frankfurter Plaza den- Schlummerern als so luxuriös erschien, das weiß Morpheus. Mir wäre, wenn schon, denft schon ,dann eher das Düsseldorfer Hilton eingefallen.

Darin sind unter den 22 einige wirklich recht gute Ferienhotels (2, 3, 13, 19, 20), die dennoch, außer in zwei Fällen (3, 19), die Frage aufbringen: warum ausgerechnet die?

Da trifft es sich glücklich, daß zusammen mit dem Schlummer Atlas jetzt auch „Rast auf Reisen — Die schönsten Hotels zum Wohlfühlen" auf den Markt gekommen ist. Das sind, wenn ich richtig gezählt habe, 210. Einige Schlummer Bekannte treffen wir wieder, aber keineswegs alle, und das ist gut so. Zu viele Nennungen scheinen mir vor allem als Freundlichkeit gegenüber dem jeweils genannten Haus zu verstehen. Aber zehn sind doch geeignet, die Schlummerliste zu ergänzen: Hotel Stadt Hamburg, Westerland, Waldhotel Krautkrämer, Münster, Parkhotel Fürstenhof, Celle, Hotel Sonnenhof, Königstein, Waldhotel Schloß Friedrichsruhe, Öhringen, Hotel Erbprinz, Ettlingen, Mönchs Posthotel, Bad Herrenalb, Ifenhotel, Hirschegg, Hotel Geiger, Berchtesgaden, Hotel Seehof, Berlin. Ich habe mich dabei auf Häuser beschränkt, denen man auch, wenn es denn sein muß, „Luxus" nachsagen könnte. So bin ich zum Beispiel durchaus bereit, die Neigung der Verfasser zur „Heidschnucke" in Asendorf zu teilen — nur „luxuriös" ist dieses Haus nun wirklich nicht, aber das wurde ja auch gar nicht behauptet.

Dennoch frage ich mich, wem mit diesen 210 Hotels gedient ist. Das sind zu wenige, um an jedem Ort Rat zu schaffen; zu viele, um wirklich strengen Auslesekriterien standzuhalten. Und außerdem ist das schrecklich zu lesen: 210 mal die gleichen Lobsprüche, ohne auch nur ein einschränkendes Wort — das verdirbt jeden Stil, selbst ein so kluger und erfahrener Reise Journalist wie Hans Eckart Rübesamen kann dagegen nicht an.

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