Ich leide an Deutschland

Henri Nannen, dem ehemaligen Chefredakteur des stern, wird vielleicht traurig sein, daß das ellenlange Gespräch, das der Playboy mit ihm führte, nicht erscheint, Heinz Bauer, Verleger des Herrenmagazins, ließ 260 000 Exemplare dieses Blattes mit dem Nannen Gespräch einstampfen. Er mochte nicht, daß seinem Konkurrenten, schließlich verlegt Bauer auch noch die Illustrierte Quide, so viel Raum gewährt wird.

Doch Nanness Plaudereien werden auch so ihren Weg ins Publikum finden. Der Spiegel nahm sich der Angelegenheit an und druckte Passagen ab, die den Herausgeber Augstein betreffen. Und auch wir wollen unsere geneigten. Leser mit ein paar Nannen Sentenzen erfreuen. Schließlich war Henri Nannen 33 Jahre lang Chefredakteur des stern, ein Mann also, der viel zu sagen hat oder doch wenigstens hatte. Wir tun dies um so lieber, weil das Nannen Gespräch — atuh in seinem Unterhaltungswert — dem törichten Interview überlegen ist, daß diese Woche in Nannens altem geführt wurde. Offensichtlich hatten die Fra ger Freud angelesen und wollten nun ganz tief, bohren. Peinlich, peinlich.

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„Ich leide an Deutschland. Ich habe immer an Deutschland gelitten", sagt da gleich zu Anfang der gute Nannen. Und auch am stern hat er gelitten: „Ich leide zum Beispiel an nichts mehr als am stetn. Wann immer ich nach Hause gekommen bin und meine Frau gerade den getan. Ich wollte ihn, ich konnte ihn einfach nicht sehen. Weil an einem fertigen Blatt ja nichts mehr zu ändern war "

Auf die Frage, ob Nannen es liebt, sich von der Sonne der Öffentlichkeit bestrahlen zu lassen, antwortet der Ostfriese Nannen:

„Wer mich lange kennt, weiß, daß ich a) kontaktgestört und t) eher schüchtern bin. I& telephoniere zum Beispiel nicht gern mit Leuten, die ich nicht kenne. Wenn ich bei einer Frau irgendwo einmal einen Korb gekriegt habe — oder mir ein Mädchen auf die Frage Was hast du Sonntag vor? gesagt hat: Ich weiß nicht, ich geh" zu meinen Eltern —, dann wird die nie wieder von mir gefragt werden. Weil ich einfach eine Scheu hab, weil ich denke, die hat keine Lust, warum soll ich sie fragen "

Der Ruheständler Nannen sieht sich noch nicht im Ruhestand. Auf eine entsprechende Frage bietet er sich dem deutschen Volk an: „Ich könnte mir auch noch eine andere Aufgabe vorstellen. Die Bundesrepublik hat — im Gegensatz zu anderen Ländern, die eine Nationalgalerie besitzen — keine Bundeskunsthalle. Bonn ist im Grunde eine Stadt ohne einen kulturellen Mittelpunkt. Es würde mir zunTBeispiel"Spaß mamcT~eial~1Kemeimön"~ für ein solches Museum zu entwickeln, zu überlegen: Was ist der deutsche Beitrag zur Kunst unserer Zeit. Ich würde mir also zutrauen, eine Konzeption für ein solches Museum zu entwickeln. Ich würde mir auch zutrauen, in zehn Jahren —- wenn der liebe Gott mir diese zehn Jahre noch läßt — als One Dollar Mann von cer Industrie einen entsprechenden Bestand für ein solches Museum zusammenzubetteln. Ich habe schließlich auch für die Hungersnot in Äthiopien in drei Monaten 22 Millionen Mark zusammengebracht "

Nannen, befragt über dumme Leute: Kohl ist zwar ein exzellenter Verwaltungsf achmann, aber ihm fehlt jedes Fingerspitzengefühl für Außenpolitik. Ja, und Biedenkopf ist ein hochintelligenter Dummkopf.

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