Investment-Sparer verabschieden sich
Nach außen geben sich die deutschen Investment Manager gelassen. Für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Union InvestmentGesellschaft, Ferdinand Graf von Galen, stellen die starken Rückflüsse lediglich einen Normalisierungsprozeß dar, der Fehlentwicklungen der Vergangenheit korrigiert. Hinter den Kulissen herrscht indessen beträchtliche Unruhe. Ein wirkungsvolles Konzept, wie sich die Fluchtbewegung aus den Publikumsfonds stoppen läßt, ist immer noch nicht gefunden worden. Die verstärkt betriebene öffentliche Werbung hatte nicht den gewünschten Erfolg. Und der Hinweis auf die allgemein abnehmende Bereitschaf t des Publikums zur Aktienanlage spricht nur eine Seite des Problems an. Er erklärt nicht die hohen Rückflüsse bei den Rentenfonds.
Ein Vierteljahrhundert Investment Sparen in der Bundesrepublik hat deutlich gemacht, was Fonds leisten können und welche Sparergruppe ihre Kundschaft bilden sollte. Von Galen hat recht, wenn er sägt, daß in der Vergangenheit eine falsche Erwartungshaltung durch die Fonds erweckt worden ist. Hohe Ausschüttungen der Aktienfonds, zu denen in starkem Maße Substanz (realisierte Kursgewinne und Bezugsrechterlöse) herangezogen wurden, gaukelten eine „Rendite" vor, die in Wirklichkeit eine Vermögensrückzahlung war. Wenn in den ersten Jahren des Investment Sparern dies nicht bis zu den Rücknahmepreisen der Zertifikate durchschlug, lag das an der damals herrschenden Aktienhausse. Wie in der von Bernd Baehring verfaßten Schrift „Union Investment 25 Jahre" nachzulesen ist, hatte sich der Ausgabepreis für ein Zertifikat des Unifonds in der Zeit von 1955 bis 1960 von ursprünglich 50 auf 150 Mark verdreifacht. Was kümmerte es dann, wenn die Uniföndsausschüttung 1960 nur noch zu 37 Prozent aus echten Erträgen bestand, das andere aus der Substanz kam?
Damals war die Zeit des großen InvestmentSplittings. Aus; einem Zertifikat :wurden drei gemacht. Viele unkundige Sparer bekamen das Gefühl vermittelt, man hätte ihnen „Gratis Zertifikate" überlassen. Was natürlich nicht stimmte; denn schließlich wurde auch der Ausgabepreis „gedrittelt".
Als dann mit Beginn der sechziger Jahre die große Nachkriegs Aktienhausse vorüber war, begann die Entzauberung der Fonds. Jetzt zeigte sich, daß ihr Versprechen „Fonds machen mehr aus Ihrem Geld!" nicht mehr einzulösen war. In Zeiten rückläufiger Kurse können Aktienfonds allenfalls die Verluste mildern, völlig entziehen können sie sich ihnen nicht.
Von der Idee der Gründer her sollte das Investment Zertifikat dem „kleinen Sparer" die Möglichkeit eröffnen, an den Segnungen der Aktie teilzuhaben, ohne das volle Risiko einer Einzelanlage zu laufen. Das Investment Gesetz hat den Fonds nicht zuletzt deshalb Höchstgrenr zen bei der Anlage in einzelnen Aktien gezogen. Um dem „kleinen Sparer" das Investment Sparen schmackhaft zu machen, verzichtete der Gesetzgeber bei den Fonds auf den Vorwegabzug der 25prozentigen Kapitalertragsteuer, so daß der Sparer seine Ausschüttung ungekürzt in die Hand bekam. Ihm oblag es dann, sie gegebenenfalls in der Einkommensteuererklärung anzugeben.
Auch heute gibt es die Aktienfonds Ausschüttung frei von der Kapitalertragsteuer. Um aber in den vollen Genuß der Ausschüttung zu gelangen, das heißt, um auch das zur Ausschüttung gehörende Körperschaftsteuerguthaben zu bekommen, ist am Finanzamt nicht mehr vorbeizukommen. Entweder man besorgt sich eine Nichtveranlagungsbescheinigung, in der festgestellt wird, daß man nicht der Einkommensteuerpflicht unterliegt, oder aber man muß die Investment Ausschüttung in der Einkommensteuererklärung angeben. Erst dann läßt sich das Körperschaftsteuerguthaben verrechnen.
Die steuerliche Situation ist für den Aktienfonds Sparer also komplizierter geworden, für den einen oder anderen sicherlich auch ungünstiger. Zur. Zeit besteht im Bundesfinanzministerium wenig Neigung, durch die Schaffung gewisser Freigrenzen dem „kleinen Investment Sparer" den Weg zum Finanzamt zu ersparen. Grundsätzlich, meine verehrten Leser, ist Investment Sparen keine Frage des anzulegenden Betrages. Wer sich nicht in der Lage fühlt, am Aktienmarkt selbständig zu operieren, weil ihm Zeit, Kenntnisse oder zuverlässige Berater fehlen, läßt sein Wertpapiervermögen zweckmäßigerweise von Fonds Managern verwalten.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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