J.M-M.: Nichtrauchertag

Vorsicht: Der Primus hebt den Zeigefinger. Die Klasse duckt sich . Doch nein, das Thema heißt nicht „Angeber". Es handelt sich nur einfach darum, daß wir in Frankreich einen „Tag der Nichtraucher" hatten.

In einem Pariser Taxi las ich einmal die Inschrift: „Friere de ne pas fumer Ich fand, es stecke ein Rest von gutem Recht darin, daß der Besitzer eines Kämmerleins — denn was ist ein Taxi anderes als eine Kammer auf Rädern? — es sich verbäte, darin durch Rauch belästigt zu werden. Zur Rede gestellt, erklärte der Taxifahrer, ihm läge nur deshalb an dem Rauchverbot, weil er, schon durch leichten Nikotinrauch der Gefahr der Einschläferung ausgesetzt sei. Daher fordere er seine Klienten nur in deren eigenem Interesse zum Nichtrauchen auf.

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Dies ist ja auch sonst die allgemeine Ausrede. Aber in diesem Zusammenhang ist interessant, daß ein Restaurantbesitzer im elsässischen Dorf Woerth, nahe der Grenze zu Lothringen, in ganz Frankreich dadurch bekannt geworden ist, daß er in seinem Lokal das Rauchen verbietet. Keine Zeitung, kein Sender, wo der Name des braven Mannes nicht lobend erwähnt wurde. Berger heißt dieser Primus unter Frankreichs Gastwirten, Frederic Berger.

Nach seinen Erfahrungen gefragt, konnte der Gastwirt nicht leugnen, daß besonders viele junge Leute ihm die Treue und die Kundschaft gebrochen hätten aber die meisten Gäste seien nach und nach doch wiedergekommen. Macht der Gewohnheit. Aber speziell unter den Frauen seiner alten Kundschaft seien welche gewesen, denen das Rauchen so am Herzen lag, daß sie mit spöttischen und harten Bemerkungen sein Lokal unter Protest wieder verlassen hätten. So daß er gezwungen war, im Garten hinter seinem Haus ein paar Tische aufzustellen — „im Freien Rau dien erlaubt"! Mit Genugtuung wurde dies wiederum von den Medien verzeichnet, schließlich werden all diese Kämpfe gegen das gleichwohl lebensgefährliche Rauchen und Trinken in Frankreich als möglicherweise notwendige, im Grunde aber unfranzösische Umtriebe angesehen.

An unserem Nichtrauchertag könnten die Vorbildlichen sich eine Nelke oder kleine Kunstblumen als Symbol des ausgestreckten Zeigefingers ins Knopfloch stecken.

Um nichts in der Welt hätte ich so etwas ans Revers geheftet.

Schließlich bin ich an diesem Tag zu Hause geblieben, obwohl ich schon seit Jahren Nichtraucher bin und längst jenseits der Schwelle, wo Nikotin Begierde weckt. Dennoch blieb ich zu Hause, im nikotinfreien Kämmerlein Ein Feigling? Sagen wir lieber: ein Nichtheld.

 
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