Keine Sicherheit

Saudi Arabien will — so hat Ölminister Yamani in einem Interview versichert — seine Ölförderung nicht drosseln und dadurch für ein Überangebot auf dem Weltmarkt sorgen. Ein Lichtblick in der doch sehr dunklen Ölwelt?

Marquardt: Ja, das ist in der Tat ein Lichtblick für die nächste Zukunft.

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Für viele der in ihren Preisforderungen weniger gemäßigten öllieferländer wird es eine ganz heilsame Erfahrung sein, wenn sie die Kräfte des Marktes auch wieder einmal aus der anderen Richtung zu spüren bekommen. Es gibt im internationalen Markt bereits Raffineriegesellschaften, die Rohölverträge auf Grund zu hoher Preisforderungen, gekündigt haben.

Gleichzeitig möchte ich aber auf eine große, Gefahr hinweisen: Wir dürfen uns auf keinen Fall durch ein zeitweilig reichlich bemessenes Angebot an Rohöl in Sicherheit wiegen. Das Gleichgewicht auf dem ölmarkt ist und bleibt sensibel. Wie schnell sich die Lage völlig ändern kann, hat uns die Vergangenheit schon einige Male überdeutlich gezeigt. Wir dürfen deshalb keinesfalls in unseren Anstrengungen erlahmen, unsere Energieversorgung unabhängiger zu machen.

Ziel der saudiarabischen Politik soll unter anderem sein, wieder für einen einheitlichen Opec Preis zu sorgen. Nach Lage der Dinge kann damit ja, wohl nur eine Anpassung der Ölländer an das niedrigere saudische Preisniveau gemeint sein. Ist das realistisch?

Marquardt: Natürlich würden wir uns eine solche Anpassung nach unten wünschen. Ich persönlich bezweifle jedoch, ob die Opec bereits jetzt in der Lage sein wird, einen entsprechenden Konsens zu finden.

Saudi Arabien ist mit seinen großen Mengen und hohen 01reserven am ehesten in der Lage, preisregulierend zu wirken. Es, hat extrem hohe 01einnahmen bei einer sehr kleinen Bevölkerung. Selbst die ehrgeizigsten Investitionsprpgramme — und die sind dort durchaus vorhanden — können die Einnahmen der Saudis nicht erschöpfen. So kann sich dieses Land eine langfristig angelegte, auch den Belangen der Industrieländer Rechnung tragende Preisstrategie leisten. Aber andere Opec Staaten befinden sich nicht in einer derartig günstigen Situation. Diese Länder betreiben eine eher kurzfristigorientierte ölpolitik mit dem Ziel, recht schnell ein Maximum an Einnahmen aus ihrem öl Zu erhalten.

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