Kunstkalender
Berlin: „Aktion Alte und Neue Kunst" der
Berlin: „Aktion Alte und Neue Kunst" der Galerie Gerda Bassenge Auf dein Gebiet der Handzeichnung, einem traditionellen Schwerpunkt des Berliner Auktionshauses, stehen diesmal, die Niederländer an der ersten Stelle: Leouaert Bramer etwa mit der grau lavierten Federeichnung „Christus vor Pilatus" (vergleichbare Blätter besitzt die Albertina), Saftleven, Rademaker. Adraen und Willein van de Velde mit schönen und charakteristischen Bl"ättern (zu immer noch annehmbaren Sehätzpreisen zwischen 1000 und 4000 Mark). Bei der Alten Druckgraphik gibt es den berühmten Kupferstich von Ma rca ntonioRaimondi J3as Urteil des Paris" (1800 Mark), Vor Bild beispielsweise für Manets „Dejeuner sur lherbe", sowie Callots Hauptwerk „Les Miseres et Mal Heurs de la. Guerre" (für 14000 Mark). Im 18. Jahrhundert reicht das Angebot von Watteau und Fragonard über Piranesi und den frühen Deutschrömer Johann Christian Reinhart bis zu Goya (die komplette Folge der Caprichos in der 7. Ausgabe für 10000 Mark), Aus der Graphik des 19. Jahrhunderts sind Manets Illustrationen zum „Raben" von Edgar Allan Poe (6 Radierungen für 16 000 Mark) und Klingers „Handschuh Paraphrase" (7500 Mark) hervorzuheben. Nebenbei findet man Kuriositäten wie eine „Brockenbesteigung" als Würfelspiel aus der Zeit um 1800 („Lebe wohl du Vater Brocken nach Enthüllung deiner Lokken ") und, von Gottfried Schadow, „Eine Reisebeschreibung von Freiwilligen des Berliner Künstler Vereins", mit Text und sech% Uthographien (2400 Mark). Auch in der Abteilung 20. Jahrhundert dominieren Berliner Künstler. Das „Berliner Schloß", ein Gemälde von Lesser Ury, ist mit 60000 Mark das teuerste Objekt. Liebermann und Corinth sind umfangreich vertreten, ebenso Zille, für den heute bereits Spitzenpreise gezahlt werden (die „Hurengespräche", vierzehn Lithographien. 22000 Mark) (Versteigerung am 12 und 13, Mai, Katalog 20 Mark). Gottfried Seüo Frankfurt: „Bruno Gironcoli" und „Robert Mappletborpe"
Aus Österreich kommt der neue Chef des Frankfurter Kunstvereins, Peter Weiermair. Und so macht er denn auch mit zwei sehr gegensätzlichen Einzelgängern der österreichischen Kunstszene in diesen Monaten bekannt. Jetzt stellt er den hierzulande schwer in die historische Entwicklung der Plastik einzuordnenden Wiener Bruno Gironcoli vor. Im Sommer folgt Karl Prantl, Erfinder des Bildhauersymposiums — Ein einziges Fenster im Steinernen Haus, dem Sitz des Kunstvereins, ist weit geöffnet und rahmt einen blauen Frühlingstag: alle anderen Fenster sind geschlossen, die Nesselvorhänge zugezogen, kein Sonnenstrahl fällt in die dunkle, hoch ritualisierte Privatwelt des Bruno Gironcoli. Laute nur dringen ein von draußen, von der Großbaustelle Römerberg: das monotone Stampfen und Rattern vom Preßlufthammer, das Kreischen von Sägen, das Klirren und Rasseln von geschlagenem Metall — eine Geräuschkulisse, wie bestellt für die Folterkammern, dieses österreichischen Marquis de Sadc. Der 45jährige Gironcoli hat sie inszeniert mit seinen Environments, den dreidimensionalen, meist in stumpfem Ocker bemaJten Objekten aus Polyester, Draht, Gittern, Metallbändern, Kacheln, Schläuchen, Steckdosen, und Kabeln, mit den Klobecken, Streckbetten und Leichenwantien. Daß unsere Welt so ist, signalisieren auch, die Temperazeiehnungea, eiskalt, - knallhart, mechanisch, und wir kauern vor kopulierenden. Hunden, und geilen Affen dazwischen; kaputt. Eine theatralische, psychologische, narrative, sehr selbstdarstellerische Kunst unter einem schwarzen freudianischen Himmel. Es ist erstaunlich, wie stark vor allem junge Leute unter 25 auf die Ausstellung reagieren. Tausend Besucher strömten allein in der ersten Woche ins Steinerne Haus. Wohl nicht allein Gironcolis wegen: Parallel sind nämlich die Phptographieh des 34jährigen New Yorkers Robert Mapplethorpe, auf der documenta in Kassel 1977 zum erstenmal ausgestellt, zu sehen. Einem größeren Publikum ist er als Porträtist der Rocksängerin Patti Smith bekannt, Plattencovers zeigen seine Photos (Kunstverein bis 17, Mai, Katalog Gironcoli 25 DM; Katalog Mapplethorpe 20 DM). ChristaSpatz.
Wichtige Ausstellungen Berlin: „Karl Friedrich Schinkel — Werke und Wirkungen" (Martin Gropius Bau bis 17. Mai, Katalog 20 Mark) Berlins „Karl Friedrich Schaukel — Architektur, Kunstgewerbe, Malerei" (Orangerie Schloß Charlottenburg bis 13. Dezember, Katalog 25 Mark) Berlins „Franz Erhard Walther" (Nationalgalerie bis 3. Mai, Katalog 25 Mark) Berlin; „Bernard Schulze — hn Labyrinth — Werke von 1940 -1980" (Akademie der Künste bis 10. Mai, Katalog 20 Mark) Bielefeld; JNfaive Kunst" (Kulturhistorisches Museum bis. 10. Mai, Katalog 25 Mark) Hamburg: Experiment Weltuntergang —Wien um 1900" (Kunsthalle bis 31. Mai, Katalog 22 Mark) Hannover: „Eduardo Chillida — Skulpturen" (Kestner Gesellschatt bis 24. Mai, Katalog 29 Mark) Kaiserslautern: „Edvard Munch — Liebe, Angst, Tod" (Pfalzgalerie Kaiserslautern bis 10. Mai, Katalog 40 Mark) Köln: „Expressionisten, Sammlung Buchheira" (Kölner Stadtmuseurn, bis 31. Mai, Katalog 4 5 Mark) München: „Larry Rivers Retrospebtive 1954—1980 — Bilder und Skulpturen" (Kunstverein"bis 3. Mai, Katalog 29 Mark) und nebenan Paris: „Amedeo Modigliani" (Musie dArt Moderne bis 28. Juni)
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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