Rechter Gralshüter

Wie Senator Jesse Helms die neue Regierung gegen liberale Anfechtungen verteidigt / Von Ulrich Schüler Washington, im April

Senator Jesse Helms ist sauer. Bei den An , hörungen ehester Crockers, die das Vorspiel zur Senatsabstimmung über dessen Bestätigung als Stellvertretender Außenminister für afrikanische Angelegenheiten darstellen, hatte er unbedingt dabeisein wollen. Denn diese und mindestens drei weitere Nominierungen hoher Chargen im Außenamt Alexander Haigs möchte Helms zu Fall bringen. Doch just zu der Stunde, da ehester Crocker vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß in den Zeugenstand tritt, muß Helms eine Sitzung des Agrarausschusses leiten. Da ist er nämlich Vorsitzender, im Außenpolitischen Ausschuß ist er nur Mitglied. Das Timing wurmt den Senator aus North Carolina. In einem langen Brief machte er am Wochenende dem Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses, seinem Parteifreund Senator Percy, den Vorwurf, die Koinzidenz der Sitzungen nicht verhindert zu haben „Die Übereinstimmung mit Ihnen schätze ich hoch", schrieb Helms, „noch höher aber schätze ich die Prinzipien Präsident Reagans. Mein einziger Wunsch ist, sicherzustellen, daß diejenigen, die im Namen Präsident Reagans Politik machen sollen, im größtmöglichen Maße auch die Ansichten des Präsidenten wiedergeben "

Grimmigen Gesichts, aber unter dem Gelächter der Wissenden im Saal, gab Percy am Montag bekannt, daß Senator Helms sechzig Fragen an Chester Crocker schriftlich eingereicht habe, die er, Percy, pflichtgemäß vorlesen müsse. In Wahrheit ist Helms mit seinem Urteil über den intelligenten und nachdenklichen Afrika Experten längst fertig. Crocker habe auf seiner jüngsten Rei_se einen „alten Verbündeten der USA" — Südafrika — vor den Kopf gestoßen. Er stehe nicht klar genug auf dem Boden der ReaganPhilosophie und der Wahlplattform der Republikanischen Partei — was auch für die designierten Haig Stellvertreter für Asien, Holdridge, und für inneramerikanische Angelegenheiten, Enders, gelte. So stehts in der Epistel von Helms zu lesen.

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Wer ist dieser Mann, der sich so eifernd als Grabhüter einer reinea konservativen Gesinnung sieht? Wenn Jesse Helms in den ersten acht Jahren seiner Senatorenschaft von 1972 — 80 auch nicht mit bedeutenden Gesetzesinitiativen hervorgetreten ist, so hat er sich doch als Gegner der Panamakanal- Verträge, der Sah Abkommen, der legalisierten Abtreibung und des BusTransports zur Rassenintegrätion an den Schulen einen Namen gemacht. Er ist im Senat das Mehrheit", der religiösen Fundamentalisten und 3 11 jener, die ;, die. Watil Röttafd; Rjasjs wn : !

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Als fleißiger Arbeiter hat der 59jährige Senator noch auf den Bänken der republikanischen Opposition gelernt, wie sieh eine Minderheitsfraktion der parlamentarischen Spielregeln für ihre Ziele bedienen kann. Mit allerlei Finessen der parlamentarischen Taktik versucht Helms heute die Senatsbestatigtmg ihm unliebsamer Regierungsamtkandidaten zu verhindern oder zu verschleppen. Verteidigungsminister Weinberger war der erste, den Helms ablehnte, Weinbergers Stellvertreter Carlucci der zweite. Beide schienen Heinis. verdächtig, nicht hart genug gegenüber der Sowjetunion zu sein.

Jesse Helms entstammt einer mittelständischen Familie in MonroeNorth Carolina. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Zeitungsmann, dann Fernsehkommentator. Als Gegner der Bürgerrechtsbewegung empfahl er sich damals einer weißen Wählerschicht, vor allem auf dem Lande unter den Tabakpflanzern. Auf einer republikanischen Erfolgswelle segelte Helms 1972 ia den. Senat.

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