Schulfrust und Traumjobs
Bücher für „junge Erwachsene", das haben die zahlreichen Versuche inzwischen bewiesen, haben nur Erfolg und damit Sinn, wenn sie sich an der teuren Geschenkbuchpraxis vorbei an den „jungen Geldbeutel" wenden. Taschenbücher zeigen das seit langem, und der Verkaufserfolg etwa der Edition Pestum (gebundene Bücher unter zehn Mark) sollte auch anderen Verlegern Mut machen, durch hohe Auflagen die Preise zu senken.
Der Arena Verlag tat diesen Schritt letztes Jahr mit einer Broschur Reihe, die mit Fährmanns „Der lange Weg des Lukas B vielversprechend anfing. Jetzt liegen zwei weitere Bücher vor, die leider wieder einen Schritt von der spannenden Erzählung zurück machen zum „Zielgruppen Buch" (Was ist für Schulabgänger interessant? Berufsbild Beschreibung ) Also doch noch ein Schielen auf die Verwendbarkeit im Unterricht und den Verkauf von Klassensätzen? Wo sich doch solche Bücher gerade im freiwilligen Kaufen und Lesen bewähren müßten! Und — Friede! Thiekötter: „Jeden Tag Schule"; Arena Verlag, Würzburg; 192 S, 10 80 DM kann das durchaus. Der Autor, selbst Lehrer, beschreibt den Ablauf eines Schuljahres, die Beziehungen zu Schülern und Kollegen. Es ist ein atemloser Bericht, der einen nie wieder davon reden läßt, daß Pauker zu viel Ferien hätten. Das Schuljahr ist ein schwindelerregender Kampf um Lernziele, Zuneigung und Menschlichkeit, ein hechelndes Hetzen zwischen Curriculum, Lehrereitelkeit („ eine möglichst Direktor und Elternbeirat, ein oft hilfloser Versuch, den „Schulkreis aus Angst und Schuld" zu durchbrechen.
Der Lehrer Theising von Thiekötter ist allerdings noch nicht ganz „verarmet", er weiß noch, was Menschlichkeit ist. Das heißt für seine Kollegen, daß sie vor karikierendem Spott nicht sicher sind. Feuerzangenbowle verkehrt, ein fliegendes Lehrerzimmer ist das manchmal, Autorität wird untergraben, indem die Autoritäten ihrer menschlichen Schwächen überführt werden.
Was fehlt, ist nur die Entwicklung und damit ein stärkerer Spannungsbogen. Das, Berufsbild ist s:atisch. Ein literarischer Einwand, aber vielleicht die Realität.
Auch der andere „Held" bewegt sich erstaunIch wenig, obwohl er ständig durch die Gegend siust und die Welt um ihn her in Flammen steht. Ein italienischer Korrespondent erzählt von seinem „Traumjob" in — Roberto Giardina: „Hundert Zeilen"; aus dem Italienischen von Halgard Kühn; Arena Verlag, Würzburg; 176 S, 9 90 DM, um jungen Lesern zu raten, „nicht Journalist dings erst auf den letzten fünf Seiten: Einstieg und Aufstieg sind schwer, Reporter haben kein Privatleben, die große Geschichte ist selten, in der Redaktion gibts ständig Querelen.
Vorher freilich beschreibt der Autor den rasenden Reporter, der von allen Punkten der Erde die Wahrheit nach Hause funkt. Doch, er hat seine Zweifel, es gibt auch den zynischen Opportunisten, der prompt zum Herausgeber aufs?eigt. Aber sonst hat der Autor offenbar nur seine alten Berichte aneinandergereiht, vom Mai Cadiz: ein Potpourri der laufenden Ereignisse. Das Interessante aber, nämlich, was die Beobachtung der Welt mit ihm macht, verrät er so gut wie nicht. Eine Identifikation ist nicht möglich. Das geht immer auf Kosten der Spannung. Mehr gefesselt hat mich da der — allerdings teure — Arena Band Thilo Koch (Hrsg ): „Unser Mana in "; Arena Verlag, Würzburg; 176 S, 22 — DM, in dein zwölf unserer allabendlichen Nachrichtenstars (zum Beispiel Kronzucker, Loewe, Pleitgen, Berg) über ihre „Berufung" zum Auslandskorrespondenten erzählen. Das ist viel näher, weil die Leute bekannt sind, persönlicher, aber auch kritischer. In diesem Dutzend Selbstporträts erfährt man viel über unser Fernsehsystem und mehr über den Traumjob zwischen „Freiheit" und der „Karl May Romantik im Düsenzeitalter" (Piltz) als in Giärdinas langatmigem Buch.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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