Sind Sie in der Partei?
Der parteilose Journalist Bernhard Wördehoff wäre gern vom Deutschlandfunk zum NDR nach Hamburg gekommen. Doch davor hatte der CDU Intendant Wilhelm Räuker den niedersächsischen CDU Sprecher Volker Benke gesetzt.
Wördehoff hatte das Angebot, Direktor des neuen Funkhauses Hamburg (Gehalt rund 13000 Mark plus Dienstwagen) schon akzeptiert, war auch vom Verwaltungsrat gewählt worden, als sein Intendant in spe ihm klarmachte, daß es über gewisse neu einzustellende Redakteure keine zwei Meinungen zu geben habe. Dabei ging es nicht um journalistische Qualifikationen, es ging wieder einmal um das richtige Parteibuch — es ging, wie gesagt, um Niedersachsens Sprachrohr der CDU.
Hier nun paßte Bernhard Wördehoff. Er hielt, kurz gesagt, Volker Benke für nicht ausreichend qualifiziert, einen der am höchsten dotierten Posten in seinem Funkhaus einzunehmen. Da Räukerauf der Personalie Benke bestand, verzichtete Wördehoff auf das höhere Gehalt und blieb beim Deutschlandfunk.
Für Wördehoff fand sich bald ein neuer Aspirant: Gerhard Gründler, Korrespondent des Westdeutschen Rundfunks in Bonn, davor Reporter beim stern und Chefredakteur der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts, Mitglied der SPD. Er sah die ganze Sache pragmatischer „Man kann nicht so puristisch sein wie beim stern oder in der ZEIT", ist sein Kommentar zu der „Tarement" Personalpolitik des CDU Intendanten „Was in zehn Jahren verbockt wurde, kann man schließlich nicht in zehn Wochen reparieren "
Der für journalistische Qualität bekannte Journalist Gründler zeigt also dafür Verständnis, daß di£ CDU sich im NDR ungeniert bedient. Und auch andere NDR Journalisten, die in der Hierarchie hoch angesiedelt sind, lächeln über Wördehoffs „Blauäugigkeit", die Frage nach dem Parteibuch auszusparen, wenn ein Journalist zu beurteilen sei. Es gehe darum, so argumentieren sie, Pluralität im Sender zu produzieren. Durch Parteibuch Journalismus? Leichte Bauchschmerzen verursacht ihnen im Fall Benke lediglich, daß dieser im Rundfunkjournalismus gänzlich Unerfahrene gleich auf eine Einser Position gehievt werden soll (die höchst dotierte Besoldungsgruppe, bis zu rund 8000 Mark monatlich).
Wer ist Volker Benke? Seine Vita: Jahrgang 40, Student und wissenschaftliche Hilfskraft im Berliner Otto Suhr Institut. Examen bei Sontheimer. Aus dem Stand leitender Redakteur beim Axel Springer Inlands Dienst. Danach „Angestellter der CDU", wie er es formuliert. Die Frage nach dem Parteibuch möchte er nicht beantworten: „Darüber rede ich nicht gern " Er spricht nicht nur für die CDU, sondern schreibt und redigiert auch deren Blatt in Hannover: die Niedersachsenzeitung.
Telebiss schiene es verständlich, wenn so ein Mann auch wieder einmal einen neuen beruflichen Anfang sucht. Und warum auch nicht beim NDR? Nichts spräche dagegen, wenn er es genauso handhabte wie beispielsweise Bernhard Hermann vom Südwestfunk Baden Baden. Vor genau einem Jahr gab dieser seinen Posten als Pressesprecher der CDU Landtagsfraktion in Stuttgart auf und siedelte ins Funkhaus Baden Baden über, wo er früher politischer Redakteur gewesen war. Er war jedoch sensibel genug, nicht seine alte Stelle in Anspruch zu nehmen, was er gekonnt hätte, sondern er nahm einen Posten im Bereich der Unterhaltungsmagazine an.
- Datum 01.05.1981 - 08:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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