Von Brüdern und Feinden

Wettbewerb in Japan

Toshio Nakamura, Chef der Mitsubishi Bank und damit einer der einflußreichsten Männer in der japanischen Wirtschaft, sieht den Zusammenhang ganz einfach: „Wettbewerb ist eine sehr wichtige Sache; wenn es keinen Wettbewerb gibt, ist das schlecht für das Geschäft " Der Bankier handelt danach: Obwohl zur Mitsubishi Gruppe auch ein Autohersteller gehört, unterstützte er vor zehn Jahren die Bemühungen von Honda um den Aufbau einer eigenen Autoproduktion und kann heute sagen: „Honda ist von der Mitsubishi Bank hochgebracht worden Ohnehin ist es nach Nakamuras Ansicht die Aufgabe der Banken, „neue Industrien hochzubringen" — auch wenn damit neue Konkurrenten für befreundete Unternehmen entstehen.

Während Nakamura seine Philosophie erläutert, vermeidet er jeden Vergleich mit der europäischen oder amerikanischen Industrie — ein Japaner ist dazu zu höflich. Johannes Hirschmeier, seit 28 Jahren in Japan und Präsident der angesehenen Nansan Universität in Nagoya, ist noch Deutscher genug, um die Situation in seinem Geburtsland kritisieren zu können: „In Deutschland gibt es eine unheilige Allianz zwischen Gewerkschaften und Banken in den Aufsichtsräten. Beide Seiten möchten den Wettbewerb verringern — die einen aus Sorge um Arbeitsplätze, die anderen aus Sorge um ihre Kapitalanlagen Die Konkurrenz aber ist in Japan, so meint auch Hirschmeier, „eine der wichtigsten Ursachen für die Dynamik der Wirtschaft".

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Sie herrscht zwischen Firmen, die zunächst die Basistechnologie gemeinsam entwickelt haben, jetzt aber mit ihren Produkten hart um jeden Kunden kämpfen. So bauen die sechs großen Computerfirmen Japans auf einer gemeinsamen Forschung im Bereich der Mikroelektronik auf. Vom Staat gefördert, haben sie in enger Zusammenarbeit die Grundlagen für diese Zukunftstechnologie 1 gcit gt, Das hindert sie heute aix i nicht daran, sich gegenseitig sovieie Aufträge wie möglich abzujagen; Hirschmeier spricht von einer „ungeheuren Konkurrenz" auf dem heimischen Markt.

Dieser Wettbewerb im Inland macht die japanischen Unternehmen fit für den Weltmarkt. Er führt auch dazu, daß im Ausland leicht der Eindruck einer gezielten gemeinsamen Strategie entsteht, wenn tatsächlich lediglich schnell auf den Schritt eines Unternehmens reagiert wird. Das nahezu gleichzeitige Auftauchen der großen japanischen Autohersteller auf dem deutschen Markt etwa überrascht Hirschmeier nicht. Er sieht darin keine Absprachen, sondern lediglich Nachahmung: „Die japanischen Unternehmen machen immer alles gleichzeitig. Wenn einer vorangeht, folgen immer alle anderen einer Branche nach "

Gefährlich ist das für die ausländischen Wettbewerber aber nicht nur, weil die Japaner mit voller Wettbewerbsorientierung auch auf den Weltmärkten agieren. Gefährlich ist ihre Attacke auch, weil die Unternehmen Nippons mit sehr langfristigen Planungen in die Weltmärkte jehen. Bankier Nakamura kritisiert an amerikanischen und europäischen Unternehmen, daß sie „oft zu sehr auf den kurzfristigen Gewinn schauen". Mit einer solchen Einstellung könne man keine langfristigen Investitionen vornehmen. JapanischeAktionäre seien dagegen nicht solche „Profitjäger". Und der deutsche Professor Hirschmeier sekundiert: „Die Gewinne sind hier nicht so kurzfristig wichtig, deshalb fallen langfristige Marktoperationen leichter "

Dank solcher Überlegungen glaubt Shiro Yoshikawa, Managing Director bei Fujitsu, ist es dem Computerhersteller gelungen, den Weltmarktführer IBM in Japan vom ersten Platz zu verdrängen, denn „wir verfolgten die Strategie, einen besonders ausgeprägten Service zu bieten. Dieser Linie konnte IBM nicht folgen, weil das die Gewinne des amerikanischen Konzerns zu sehr gedruckthätte".

Auch gegen die übermächtige IBM wurde in Japan die Orientierung auf den Wettbewerb beibehalten, jedoch mit einer kleinen Variante: „Wir konkurrieren gegen Brüder, nicht gegen Feinde", erklärt Yoshikawa.

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