Warum...

Man achte einmal darauf, wie Menschen sich auf Empfängen, Premieren, Vernissagen verhalten: Die Begrüßung — ob mit dem obligaten PartyKüßchen oder dem feinen Handkuß — findet stets „partnerlos" statt. Fast nie sehen sich Menschen dabei an — sie blicken vielmehr weg; sie schauen, während sie „Hallo, wie gehts denn?". sagen, hungrig umher, wer wo wie noch da ist: der „Hotelhallen Blick". Ich fand dieser Tage ein Photo, auf dem der verstorbene Scala Intendant Paolo Grassi eine Dame der Mailänder Gesellschaft begrüßt: Über ihre Hand hinweg starrt er suchend von ihr weg, während sie an ihm wie an einem Gegenstand, einem Garderobenständer vorbeiblickt „Da, wo du nicht bist — da ist das Glück" — ist dieser Satz, Chiffre unserer ewigen Nicht Erfüllung, ewigen Sehnsucht — die Definition der Unruhe, die Menschen stets aneinander vorbeitreibt? F. J. R.

 
  • Quelle DIE ZEIT, 1.5.1981 Nr. 19
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