In Paris und Mailand wurde die Herbstund Wintermode1981182 gezeigt Wie trotzige junge Ritter

Eine Völkerschau quer durch die Jahrhunderte / Von Marieita Riederer Mailand/Paris

Abertausende neuer Kleider für den kommenden Winter wurden in knapp drei Wochen auf europäischen Laufstegen gezeigt „Neu genug, um die Kauflust zu wecken", frohlockten die Einkäufer, die vorsichtig sondiert, aber doch gut geordert haben — trotz allen Geredes von Wirtschaftskrise.

In Mailand wie in Paris konkurrieren Hosen jeder Art mit Röcken, gleich, ob sie kurz oder lang sind, eng oder weit. Unmengen von Stoffen wurden verarbeitet für wehende Capes und Ponchos, für riesige Tücher zum Einhüllen, für weite lange Pelerinenmäntel über Jacken und Blousons. Das Volumen ist üppig, das Oval dominiert, der Etagenlook zeigt sich drei, bis vierfach übereinander. Flache weiche Stiefel tun das ihre dazu, und der Ferne Osten tut das seine.

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Mannequins aller Hautfarben spielten „Fernöstliches Theater" mit dem Kimono als Leitmotiv. Zugleich mischt die Mode europäischen mit asiatischem Uniformstil. Aus der fröhlichen Folklore ist, seitdem Hosen aller Art dazugehören, eine Völkerschau quer durch die Jahrhunderte geworden. In Paris greift Castelbajac bis auf Wilhelm den Eroberer oder auf Ludwig V. (der Faule!) von Frankreich im Jahr 986 zurück.

Italiens Trendsetter ist Giorgio Armani. Seine Mode ist pur, klar im Umriß, inspiriert "von China und Japan. Seine strengen Jacken sind meist unsichtbar geknöpft und kragenlos wie Kimonos. Bogenförmig die Schultern verbreiternd, läuft die Ärmelnaht wulstartig gesteppt bis zum Handgelenk. Seine Hosenröcke sind weit, ebenfalls als Bogen geschnitten. Dichte dünne Strümpfe in Schwarz, Lackrot oder Himmelblau und flache Kinderschuhe bringen das Bein zur Geltung. Sind die gleichen Röcke aber lang feschnitten, gehören Pullis mit großen Ärmeln, ohem Bund und schmalem quergestreiften Oberteil dazu. Leicht wattierte Obigürtel werden lokker über die Hüften gelegt. Armani verwendet als erster wieder Stoffe mit mehr Konsistenz, füttert oder steppt die Röcke und verwandelt das Tagesprogramm für den Abend in glänzende Atiasseide. Nappaleder behandelt er wie Stoff. Er läßt Falten wie Schuppen, Biesen wie Rippen und Smokarbeit am Lederwams unendlich kostbar erscheinen. Die Mädchen darin aber wirken wie trotzige junge Ritter. Sein Stil beeinflußt deutlich die gesamte italienische Mode.

Aufsteiger ist Luciano Soprani. Er zeigt seine erste eigene Kollektion. Das Thema „Jagd auf englisch". Heide und Sumpf bestimmen seine Farben „Enten im Flug" auf seidene Blusen gedruckt, Kniehosen aus Leder, sehr lange Mäntel oder lockere Tweedjacken, deren Schultern mit Dachs oder Fuchs besetzt sind, gehören zu maskulinen Filzhüten und Strickwesten. Ganr andersseine Abendmode: Als träfen sich Kirchens ängerinnen in langen raschelnden Chorhemden aus schwarzem Taft und weißen Bäffchen mit Pagen, dife üppige grau schwarz gestreifte Blusen mit weißen Piastrons zu Shorts oder Knickers tragen. Alle in schwarzen Strümpfen und Lackslippers. Ihnen folgten noch schnell „Dandys" im Smoking mit Stock und Monokel. Fröhlicheres in tristen Farben kommt selten über den Laufsteg.

Leder an 29 Girls zeigte Mario Valentino. Die Fendi Schwestern tun das gleiche im TolstoiLook für Pelze. Nirgends werden Felle interessanter gefärbt, raffinierter bearbeitet, sei es aus russischen Eichhörnchen oder noblen Zobeln. Für bescheidenere Ansprüche ließen die Missonis wuschelige Schals in Schlaufentechnik als Pelzersatz zu ihrer heiteren farbigen Maschenmode stricken.

Im Vergleich zu Gianfranco Ferr4 der Japanisches streng übernimmt, versteht es Mariuccia Mandelli für Krizia, das gleiche Thema feminin in warmen Farben oft nur Ton in Ton zu gestalten. Sie befolgt den kragenlosen seitlichen Schluß an Tuniken oder Jacken, erfand aber einen abnehmbaren schulterbreiten Kragen, für den Tag aus gelochtem Leder silbern benagelt. Am Abend aus Spitze mit Pailletten besetzt, paßt er zu voluminösen Pumphosen aus Taft, Samt oder glitzernden Lames. Bekannt für ihr „Tierpullover" zeigt sich jetzt ein fletschender Löwenkopf mit Funkelaugen, das Vorderteil gut bedeckend.

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