Als Konrad Adenauer 1951 die ersten Fühler nach Israel ausstreckte, um über Wiedergutmachung zu verhandeln, war dort begreiflicherweise die Empörung so groß, daß die bloße Vorstellung schon Tumulte im Parlament auslöste. Nahum Goldmann, der ehemalige Präsident des Jüdischen Weltkongresses, der dann die Verhandlungen führte, schreibt in seinem Buch „Mein Leben als deutscher Jude“:

„Ich war stets der Meinung, daß Völker ihre Beziehungen nicht durch Emotionen bestimmen lassen dürfen; ihre Interessen verlangen, daß sie irgendwann eine Form des Zusammenlebens finden und sich nicht von noch so berechtigten Gefühlen beherrschen lassen. Jede emotionell determinierte Außenpolitik endet früher oder später in einer Katastrophe. Ein Volk kann ein anderes besiegen und den unterlegenen Gegner vernichten, so verwerflich dies auch ist. Aber einem gestrigen Gegner ewig zu grollen, ist in der historischen Realität undurchführbar. Vielleicht können, sich Gruppen, die ohnehin keine Außenpolitik betreiben, in dem Gefühl ihrer Machtlosigkeit den billigen Luxus gestatten, nur ihren Emotionen zu leben. Dies haben die Juden in den Jahrhunderten ihrer Getto- und Diaspora-Existenz getan. Aber ein Volk, dem es gelungen ist, einen eigenen Staat aufzubauen, das Forderungen durchsetzen und Machtpositionen erwerben will, kann sich eine rein gefühlsmäßige und don-quichottische Politik nicht mehr erlauben.“

Auf Grund der Verhandlungen zwischen Adenauer und Goldmann wurden bis heute 70 Milliarden D-Mark Entschädigung an den Staat Israel und an einzelne Juden gezählt. Begin nennt die Deutschen „geldgierig“ und den Kanzler „unverschämt“, weil er das Selbstbestimmungsrecht der Völker nicht für Deutsche und Juden monopolisieren will, sondern findet, es stehe auch den Palästinensern zu. Begins Rede wird die Deutschen nicht zu begeisterten Verehrern Israels machen – das wird Begin gleichgültig sein. Doch was er seinem eigenen Volk damit antut, bedeutet langfristig weit mehr Ungemach: Die meisten Beobachter meinen nämlich, er werde auf Grund dieser Rede wiedergewählt werden. Dff.