Als wäre es wirklich eine frohe Botschaft, meldete die Deutsche Bundespost doch dieser Tage fast euphorisch: Telephonautomation macht R-Gespräche überflüssig. Da haben wir es wieder: fast täglich bringt die so überaus innovationsfreudige Kommunikationsindustrie eine Neuheit auf den Markt, mit der die Distanz von einem Ich zum anderen noch schneller und besser überbrückt werden kann, aber für so eine Belanglosigkeit wie ein R-Gespräch innerhalb Europas hat die moderne Technologie keinen Raum mehr.

Über den Verlust eines weiteren kleinen Stücks“ Lebensqualität, und ein R-Gespräch kann durchaus mal mangels Barem in der Tasche eine solches sein, mag hinwegtrösten daß fortan ja alles billiger ist. Der angerufene Teilnehmer braucht keine Sondergebühr mehr zu zahlen, auch nicht mehr die bei R-Gesprächen als Minimum übliche Drei-Minuten-Gebühr. Und der Anrufer kann überdies per Lockruf für auf eine einzige Gebühreneinheit noch immer zu seinem Ziel gelangen. Doch was, wenn in der Not sogar die zwei Groschen fehlen, die ein Lockruf nun mal kostet? Dann gibt es nur einen Ausweg: Betteln gehen. Der Fortschritt hat eben seinen Preis. hff