Mein Entschluß, die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) zu verlassen und an die Universität zurückzukehren, hat nicht nur Verständnis gefunden, sondern natürlich auch Kritik hervorgerufen. Sie gipfelt im Vorwurf des Mißbrauchs der Wissenschaftsfreiheit. Ich könnte es mir leicht machen und daran erinnern, daß das Grundgesetz mit der Wissenschaftsfreiheit genau diejenige Ungebundenheit der Forschung garantiert, die auch in unserem Institut zu keinem Zeitpunkt bedroht war – nicht aber die Anstellung von Wissenschaftlern auf Lebenszeit. Statt dessen will ich versuchen, das Starnberger Debakel aus dem Nebel des Persönlichen und des Polemischen herauszuheben und den sachlichen Kern des Problems sichtbar zu machen.

Mißbrauchte Wissenschaftsfreiheit?

Herr v. Weizsäcker hat sich seit 1977 vergeblich bemüht, renommierte Kollegen für die Fortführung seiner Forschungsrichtungen zu interessieren. Der Senat der MPG hat dann entschieden, mit der Emeritierung von Herrn v. Weizsäcker auch dessen Arbeitsbereich zu schließen. Davon war nur die von Herrn Afheldt betriebene Strategieforschung ausgenommen. Hat sich die MPG eines Mißbrauchs der Wissenschaftsfreiheit schuldig gemacht?

Zum Glück war ich an diesem Schließungsbeschluß nicht beteiligt und habe dessen Inhalt nicht zu vertreten. Es wäre ein Wunder, wenn nicht auch bei diesem Beschluß neben anderen politische Motive im Spiel gewesen wären. Als jemand, der sich politisch nicht gerade unauffällig verhält und zehn Jahre in der Max-Planck-Gesellschaft lebt, weiß ich aber, daß in diesem Milieu solche Motive nicht schnurstracks durchschlagen können; jedenfalls dann nicht, wenn sie mit den im Wissenschaftssystem üblichen Spielregeln in Konflikt geraten. Eine ganze Abteilung kann nicht so leicht mit einem Federstrich aufgelöst werden, wenn die Arbeiten der betroffenen Wissenschaftler bei unbeteiligten Fachkollegen soviel Anerkennung finden, daß sich in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit selbst Widerstände regen. Im übrigen sollten wir nicht jeden, der nach etablierten Spielregeln Pech hat, im Namen einer beleidigten Wissenschaftsfreiheit zum politisch Verfolgten stilisieren.

Wie steht es indessen mit der „feudalen“ Willkür eines Direktors, dazu eines linken, der den ganzen Krempel hinschmeißt? Mißbraucht er nicht die Wissenschaftsfreiheit, indem er ein Institut seinen höchst subjektiven Präferenzen opfert?

Ich kann gar nicht leugnen, daß die Gründe für einen so schmerzhaften Entschluß auch subjektiv gefärbt sind. Aber die Schwierigkeiten, die mich schließlich zum Rücktritt genötigt haben, sind anderer, und zwar struktureller Art.

Der Vorgang