Die Allianz freute sich über Amerikas Verhandlungsbereitschaft

Von Hansjakob Stehle

Rom, Anfang Mai

Scheinbar heiter wie die Wetterfahnen der Touristensaison wehten die Flaggen der fünfzehn Nato-Partner vor den Fenstern. Frostig, bald gewitterschwül wie dieser Frühling, den die Meteorologen nicht einmal in Rom herbeibeten können, war auch die Luft in den vollklimatisierten Sälen des Hotels, dessen Name bis dahin niemandem geläufig gewesen war: „Regife Palace“. Der monströse Termitenbau in einer Geländemulde am Stadtrand, ohne Aussicht auf Rom, doch genau überschaubar, war umstellt von Hunderten braver Carabinieri, die – ihre Maschinenpistolen im Anschlag vor den Panzerwesten – jedem Journalisten prüfend ins Auge sahen und sogar im Staniolpapier einer Zigarettenpackung eine Waffe witterten, sobald der Detektor nur zarteste Signale gab...

Heimliche Ungewißheit

So trefflich es also um die eigene Sicherheit dieser Konferenz der Nato-Außenminister bestellt war. und so fern die einheimischen „Roten Brigaden“ blieben, so unheimlich nah schien der ferne rote Gegner und so heimlich blieb die Ungewißheit unter den Partnern der Allianz dann noch, als am Ende US-Außenminister Haig mit dem Tonfall eines geübten militärischen Herzschrittmachers die Begegnung als die „erfolgreichste“ aller Nato-Konferenzen gepriesen hatte. Das Erfolgserlebnis jedoch war vor allem deshalb so allseitig und erleichternd, weil es der amerikanischen Führungsmacht gelang, im lange hin- und hergekauten Paragraphen zwölf des Kommuniques das Verhandlungsangebot an die Sowjets so formulieren zu lassen, daß es für Moskau nicht uninteressant und für die europäischen Verbündeten beruhigend ist.

Washington jedoch verpflichtet sich lediglich, für Ende des Jahres den Sowjets „Verhandlungen über Kontrolle, und Begrenzung“ der Mittelstreckenwaffen anzubieten, ohne daß dafür etwa schon so konkrete Ziele genannt werden, wie sie für die Nachrüstung, den ersten Teil des berühmten „Doppelbeschlusses“ von 1979, bestehen und bereits angesteuert werden. Wie also das „Signal von Rom“, das jetzt die Auslegungsexperten auf den Plan rufen wird, wirklich zu deuten ist, hängt von der Empfindlichkeit des „Detektors“ ab, mit dem man es abtastet...