ARD, Sonnabend, 9. Mai, 15.30 Uhr: „Liebling, zum Diktat“, Film von Mitchell Leisen (Start einer Serie von sieben Terminen)

Von der französischen Filmzeitschrift „Cahiers du Cinéma“ wurde er einmal als „großer Couturier“ bezeichnet: der amerikanische Regisseur Mitchell Leisen (1898 bis 1972). Was herablassendhochmütig gemeint war, charakterisiert durchaus treffend jene traumhaft sichere und zugleich unaufdringlich wirkende Eleganz, die den spezifischen Stil seiner Filme ausmacht. Der gelernte Architekt kam 1919 als Kostümbildner für Cecil B. DeMilles „Male and Female“ zum Film, entwarf die Kostüme für Allan Dwans „Robin Hood“ (1922) und Raoul Walshs „Der Dieb von Bagdad“ (1924), wurde „Art-Director“ und Regieassistent bei DeMille, bevor er 1933 als Regisseur debütierte.

Er begann und beendete seine Regie-Karriere mit romantischen „Frauenfilmen“, deren hochstilisierte Extravaganz auf die Melodramen eines Douglas Sirk in den fünfziger Jahren verweist. Sein Renommee allerdings beruht auf den Komödien, die er zwischen 1935 und 1945 drehte und auf die sich die siebenteilige Werkschau der ARD beschränkt. In diesem Jahrzehnt war Mitchell Leben der beständigste und erfolgreichste Regisseur der Produktionsfirma Paramount. Obwohl er dort in den dreißiger Jahren im Schatten von Ernst Lubitsch und Josef von Sternberg stand, und in den vierziger Jahren der aggressivere Komödienstil eines Preston Sturges und Billy Wilder (die einige seiner besten Drehbücher geschrieben haben) von Kritik und Publikum bevorzugt wurde, war er es, der den glamourösen Stil dieses Studios am nachhaltigsten bestimmt hat.

Seine Komödien, die durchaus dem Vergleich mit den Filmen von Howard Hawks oder Leo McCarey standhalten, sind brillante Bravourstücke der screwball-comedy, in denen die golddigger-Mentalität der Depressionsjahre perfide ironisiert wird: die Jagd nach Reichtum und Ansehen (und umgekehrt der Verzicht auf Geld zugunsten der Liebe). Im genreüblichen Geplänkel der Geschlechter werden zwar die Rollen oft vertauscht (die Männer sind simple Sexualobjekte, während die Frauen sich als zielbewußte Zockerinnen verhalten) – doch da diese Goldgräberinnen ein Herz aus Gold haben, setzen sie stets auf die charmante Null.

„Liebe im Handumdrehen“ Hands Across the Table“, 1935; 19. 6., 20.15 Uhr) ist ein Film, in dem ein halbgelähmter, immens reicher Krüppel lachend zusehen muß, wie ihm ein springlebendiger, mittelloser Playboy das geliebte, eigentlich auf sein Geld versessene Mädchen ausspannt, das tagtäglich seine nie schmutzigen Finger manikürt.

In „Liebling, zum Diktat“ („Take a Letter, Darling“, 1942; 9. 5., 15.30 Uhr) engagiert eine erfolgreiche Unternehmerin einen attraktiv-virilen Sekretär, damit er die Frauen der Geschäftspartner bei Laune hält – und schmeißt schließlich ihren Job hin, um mit ihm im Wohnwagen durch Mexiko zu ziehen.

Im Abendkleid, doch total abgebrannt, kommt eine amerikanische Schöne aus Monte Carlo in Paris an und blufft sich als angebliche Baronin (den Namen hat sie einem Taxifahrer „entliehen“) in die High Society: „Enthüllung um Mitternacht“ („Midnight“, 1939; 3. 7., 20.15 Uhr) – ein Maskeradenspiel um Klassenverhalten, das mit bösartigem Witz das Märchen vom „Aschenbrödel“ persifliert.