Neues Öl in die Flammen des nordirischen Bürgerkrieges

Von Rudolf Walter Leonhardt

Dublin,Anfang Mai

Manche haben bis zuletzt an ein Wunder geglaubt. Irische Parlamentarier, die europäische Kommission für Menschenrechte und sogar der Papst haben sich vergebens, um ihn bemüht: In den frühen Morgenstunden.des 5. Mai starb Bobby Sands, gewählter Abgeordneter des britischen Parlaments und Terrorist der Irish Republican Army (IRA), am 66. Tage seines Hungerstreiks im Maze-Gefängnis bei Belfast.

Er starb so, wie er andere hatte sterben lassen: für seinen Traum von Irland. Und da fällt es einem dann doch schwer, ihn als einen ganz normalen Kriminellen zu sehen. Daß die britische Regierung sich nicht dazu verstehen, konnte, irischen Terroristen im Gefängnis einen Sonderstatus einzuräumen, ist zu begreifen. Daß sie ihre Versprechungen, die allgemeinen Haftbedingungen zu verbessern, nach Auffassung der Häftlinge nicht gehalten hat, war schlimm. Es bestand keinerlei Grund, nicht zu glauben, was die Gefangenen angekündigt hatten. Die IRA hält sich eigentlich immer recht genau an ihre Ankündigungen. Als sieben Häftlinge kurz vor Weihnachten einen Hungerstreik abbrachen, der 53 Tage gedauert hatte, triumphierten die Falken zu früh: die Terroristen werden weich. Sie überhörten dabei die unmißverständliche Warnung; „Sollte die britische Regierung es versäumen, in verantwortungsvoller Weise ein Ende der Haftbedingungen herbeizuführen, die uns zu dem Hungerstreik gezwungen haben, dann werden wir neue Aktionen beginnen.“

Eine nordirische Lebensgeschichte

Die Häftlinge forderten: 1. eigene Zivilkleidung tragen zu dürfen, 2. keine Gefängnisarbeit leisten zu müssen, 3. einander im Gefängnis treffen zu dürfen, 4. Fortbildungsmöglichkeiten zu bekommen, 5. den üblichen Erlaß der halben Strafe bei guter Führung. Keine dieser Einzelforderungen wurde als exorbitant abgelehnt; keine wurde so erfüllt, wie es die Häftlinge geglaubt hatten, als sie ihren ersten Hungerstreik abbrachen.