Von Christel Hofmann

Für alle drei war es einmal der Traumberuf. Vor sieben Jahren schlossen sie ihre Ausbildung ab. Schon die zweijährige Fachschulzeit hatte die erste Ernüchterung gebracht. Da wurden sie ausgerüstet für das brave Kind am Spieltisch: Basteln, Lieder singen, Verse sagen.

Die Wirklichkeit kam mit dem Jahrespraktikum. Die Kinder waren weder brav, noch ließen sie sich an den Spieltisch bringen. Was sie mühsam bastelten, warfen die Eltern zu Hause in den Müll. Montags kamen sie statt mit Liedern und Versen mit den neuesten Schießgewohnheiten aus Krimis und Western zurück.

Elternabende, in der Freizeit vorbereitet, wurden mager besucht, fanden so gut wie kein Echo. Petra wollte gleich nach dem Jahrespraktikum aussteigen. Aber Jutta und Sigrid überredeten sie zum Durchhalten.

Petra bewarb sich in einem Kindergarten für Behinderte. Sechs Jahre sind es her. Seitdem ist sie mit ihrem Beruf einverstanden. Die Kinder sind schwer körperbehindert, werden gepflegt wie Säuglinge. Kaum eines kann sich selbständig fortbewegen. Manche auf Krücken. Andere liegen, sitzen in Rollstühlen alle Tage. Sie füttert fast alle in ihrer Gruppe. Dreimal, viermal am Tag. Inzwischen hat sie an einer Zusatzausbildung teilgenommen und fühlt sich sicherer.

Zärtlich flüstert sie Peter ins Ohr. Ob er sie versteht, weiß sie nicht. Sie spricht mit allen. Wer gerade nicht gewickelt oder gefüttert wird, den bringt sie in Hautkontakt zu einem anderen Kind. Dann haben sie sich wenigstens gegenseitig. Manchmal läßt sie eine Schallplatte laufen. Immer frische Blumen. Sie steckt Kerzen an. Feiert jeden Geburtstag mit den Kindern. Da ist nicht immer ein Echo zu spüren.

Das Wort Tapferkeit mag sie nicht hören. Alles hat seinen Sinn. Sie lebt acht Stunden am Tag mit schwer behinderten Kindern. Erziehen als Traumberuf? Nicht mehr wie früher, sagt Petra. Sie hat gelernt, daß ihr Dasein, ihre Pflege und ihre Zuwendung lebensnotwendig sind. Die Eltern sind die wirklich Beladenen. Sie können nicht ausweichen, nicht abends, nicht an den Wochenenden, nicht im Urlaub. Wer nimmt schon ein behindertes Kind in Pflege?