Von Heinz Michaels

An der Börse herrscht fröhlicher Optimismus, wenn von der Deutschen Lufthansa die Rede ist. Zwar ging der Aktienkurs am Montag geringfügig um zwei auf 75 Mark zurück, doch dürfen die Aktionäre insgesamt zufrieden sein: Konnten sie doch im letzten Vierteljahr rund 34 Prozent Kursgewinn verbuchen und heute für ihre Aktie etwa zwanzig Mark mehr bekommen als zu Jahresbeginn.

Und die Börsen-Propheten sagen voraus, daß der Steigflug der Kurse noch weitergehen wird. So Bleidorns Wirtschaftsdienst: „Für Lufthansa gibt es heute wieder Gewinnschätzungen, die für 1981 von einem echten Betriebsergebnis ausgehen,“ Mit der Konsequenz, daß „man für die Bewertung der Aktien weiter zuversichtlich eingestellt sein“ müsse.

Auch die Börsen-Zeitung macht sich diesen Optimismus zu eigen und meint, daß in diesem Jahr mit einem besseren Ergebnis als letztes Jahr zu rechnen sei. Sie sagt voraus, „daß der stabile Dollar zur Ertragsverbesserung beitragen könnte und auf der anderen Seite auf Grund der Preisentwicklung der Druck von der Kerosinseite her nachlassen könnte.“

Herbert Culmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa, registriert dies alles mit Erstaunen. Kann er doch den Aktionären für 1980 nur einen Geschäftsabschluß vorlegen, dessen bescheidener Gewinn zumindest den Vorzugsaktionären eine Dividende garantiert. Und seine Prognose auf der Hauptversammlung am 21. Juli wird wahrscheinlich lauten: „Bei aller Vorsicht in der Beurteilung kann ich nicht sehen, wie wir 1981 an einem Verlust vorbeikommen.“

Für den Höhenflug der Aktienkurse der Fluggesellschaften an allen europäischen und amerikanischen Börsen hat er als Erklärung nur die alte Volksweisheit: „Auf Regen folgt auch wieder Sonne.“

Das letzte Jahr war für die Fluggesellschaften in aller Welt ein Regenjahr. Dabei gehört die Lufthansa zu den wenigen Luftfahrtunternehmen, die überhaupt noch einen Gewinn ausweisen. Rundum in der europäischen Nachbarschaft schreiben die Fluglinien rote Zahlen – bis auf die Swissair.