Sehenswert

„Das höchste Gut einer Frau ist ihr Schweigen“ von Gertrud Pinkus. Sie kommen nach Deutschland oder in die Schweiz, nach Frankreich und anderswohin, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden, oder der Lohn so gering ist, daß er zum Leben nicht reicht: Arbeitsemigranten. Gertrud Pinkus, in Frankfurt lebende Schweizer Filmemacherin, die vor allem gesellschaftskritische Dokumentarfilme für verschiedene Sendeanstalten gedreht hat, interessiert sich in ihrem neuen Film für die Frauen dieser Emigranten. Sie leiden mehr noch als ihre Ehemänner an der Kälte und Verschlossenheit ihrer neuen Umwelt, geraten oft in eine kaum erträgliche Einsamkeit. Die Regisseurin erzählt die Geschichte der Italienerin Maria M. auf verschiedenen Ebenen. Die Stimme Maria M.s – zu Aufnahmen war sie nicht bereit – begleitet den Film aus dem Off. Dokumentarszenen von einem süditalienischen Dorf geben Einblick in die dortigen Lebensverhältnisse und verdeutlichen, was die Frauen zurücklassen – Gemeinschaft und Wärme. Nachgestellte Szenen in Frankfurt machen Isolation und Trostlosigkeit sichtbar, auch die Abhängigkeit vom Ehemann und eine allmähliche Entfremdung von den Kindern, die sich in die deutsche Umgebung integriert haben. Auch wenn Gertrud Pinkus eine traurige Geschichte erzählt, ist sie nie larmoyant. Ihr Film soll auch und vor allem Emigrantenfrauen gezeigt werden, sie hofft deren Schweigen zu brechen, das nach süditalienischer Tradition als ihr höchstes Gut gilt.

Anne Frederiksen

Kunstgewerblich

„Die Verweigerung“ von Claude Goretta. Auf den ersten Blick ein stiller Film, der genau beobachtet, wie eine junge Frau (Nathalie Baye) aus der französischen Provinz (der Originaltitel: „La Provinciale“) die Kraft hat, sich an das Leben in der Großstadt nicht gewöhnen zu können. Bei genauem Hinsehen aber erweist sich die Ruhe des Films als Emotionslosigkeit, seine Genauigkeit als das Gegenteil von interessierter Offenheit und seine Beobachtungen als Illustrationen. La provinciale, sagte Goretta, das sei „ein Mensch, der aus seiner heilen Welt in die miese, wohlfeile Käuflichkeit des Pariser Großstadtlebens gerät“. Was er verschweigt: daß er seine Figur selbst in diese Lage gebracht hat; denn was vorgibt, eine Realität zu beschreiben, deren Bild der Film entwirft, beschreibt doch nur das Bild, das der Regisseur von der Realität hat. Der Weg aus der Provinz in die Metropole: das könnte eine Reise in neue Erfahrungen sein, irritierende, verstörende. Aber auf dem Weg aus „der heilen Welt in die miese, wohlfeile Käuflichkeit“: da erfährt man nichts mehr, da kann einem höchstens etwas zustoßen: das Erwartete. Norbert Jochum

Nett

„Ein Himmelhund von einem Schnüffler“ von Joe Camp, der mit dem Film „Benji – Auf heißer Fährte“ (1973) seinen Hundestar auf Anhieb zum legitimen Nachfolger so berühmter Kollegen wie Rin-Tin-Tin und Lassie machte: Benji erhielt eigene Fan-Clubs und Fernseh-Shows und wurde in die ‚Animal Actors Hall of Fame‘ aufgenommen. Nicht minder erfolgreich zeigt sich nun in „Oh! Heavenly Dog“ (Originaltitel) Benjis „Sohn“, der 1980 unter die zehn Top-Entertainer des amerikanischen Kinos gewählt wurde. Gemeinsam mit Chevy Chase bildet er hier ein audio-visuelles Team, das sich die Rolle des Londoner Detektivs Benjamin Browning teilt, der bei Ausübung seines Berufs erstochen wird und vom Himmel nochmals (als Hund) auf die Erde gesandt wird, um seinen eigenen Mord aufzuklären: der eine übernimmt die schwierige Schnüffelarbeit auf vier kleinen Beinen, während der andere dazu den bissigen Kommentar liefert. Eine harmlos-nette Mordkomödie, deren Vergnügen vor allem darin liegt, mit welch cleverer Lässigkeit diese prominente Promenadenmischung ihre zweibeinigen Partner (Jane Seymour; Omar Sharif, Robert Morley) an die Wand spielt. Wie die amerikanische Zeitung Daily News treffend bemerkte: „Benji ist der Laurence Olivier der Hundewelt.“