Auch nach dem mit Spannung erwarteten Fernsehduell bleibt offen, wen die Franzosen am Sonntag zum Staatspräsidenten wählen. Valéry Giscard d’Estaing und François Mitterrand kämpften vor dem zweiten Wahlgang um die entscheidenden Wählerstimmen.

An diesem Sonntag findet der zweite Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen statt. Fast 37 Millionen wahlberechtigte Franzosen werden darüber entscheiden, wer in den nachsten sieben Jahren die Geschicke des Landes lenkt: der noch bis zum 24. Mai amtierende Valéry Giscard d’Estaing oder sein sozialistischer Konkurrent François Mitterrand.

Das gilt auch nach dem über zweistündigen Fernsehduell der beiden Kandidaten am Dienstag, Die Debatte stand auf bemerkenswert hohem Niveau; sie brachte keinem der Kontrahenten entscheidende Vorteile.

Der im ersten Wahlgang ausgeschiedene KP-Kandidat Georges Marchais hat den kommunistischen Wählern empfohlen, ihre Stimme jetzt Mitterrand zu geben. Diese Entscheidung fiel eindeutiger als erwartet aus, nachdem Mitterrand Gespräche zwischen den Wahlgängen abgelehnt hatte. An der Fortsetzung des Wahlkampfes beteiligte sich die KP jedoch nicht.

Im Prinzip darf Mitterrand auf die kommunistischen Stimmen hoffen. Doch er ist damit gleichzeitig der Gefahr ausgesetzt, Wähler der linken Mitte abzuschrecken, die ihm den entscheidenden Vorsprung einbringen könnten. Marchais hat nämlich deutlich gemacht, daß er. seinen Tribut fordern wird, falls Mitterrand ins Elysée einzieht.

Der ebenfalls unterlegene Gaullist Jacques Chirac hat darauf verzichtet, seinen Anhängern eine direkte Empfehlung zu geben. Er persönlich, so erklärte er lediglich, werde seine Stimme Giscard geben. Das ist weniger, als Giscard erwartet hatte. Denn auch er ist darauf angewiesen, daß die Übertragung der Stimmen reibungslos klappt. Wechselt ein auch nur bescheidener Prozentsatz gaullistischer Wähler ins sozialistische Lager, dann kann Giscard seine Hoffnungen auf eine zweite Amtszeit begraben.

Während Mitterrand nur verstohlen um die Kommunisten warb, kümmerte sich Giscard intensiv um die Gaullisten. Er gestand sogar ein, Chirac habe mit seiner Kritik an der Amtsführung des Präsidenten teilweise recht gehabt. Eine Reihe ramhafter Gaullisten hat sich dennoch auf Mitterrands Seite geschlagen. Der prominenteste Abweichler: Michel Jobert, Außenministerunter Präsident Pompidou.