Auch im Forschungsministerium wird das Geld knapp. Die Projekte müssen kritisch überdacht werden. Welche Fehler sind gemacht worden? Welche Möglichkeiten bietet die Zukunft noch?

ZEIT: Herr Minister, kurz nach Ihrem Amtsantritt haben Sie gesagt, die Zeit der knappen Mittel biete die Chance, die Mittel optimal einzusetzen. Ist das ein Eingeständnis, daß in der Vergangenheit mit den Mitteln nicht optimal umgegangen wurde?

Von Bülow: Ich glaube nicht, daß viel falsch gelaufen ist. Aber wenn man nach Zeiten beachtlichen Wachstums der Finanzplanung insgesamt zwei Milliarden verliert, dann muß alles kritisch überdacht werden. Es geht jetzt darum, die Wurstpellen in vernünftiger Weise zurechtzuschneiden. Das wird dieses und das nächste Jahr in Anspruch nehmen.

ZEIT: Müssen Sie sich nicht überhaupt die Grundsatzfrage stellen, ob staatliche Forschungspolitik überflüssig ist, ob Ihr Ministerium überflüssig ist?

Von Bülow: Das sehe ich nicht so. Gewiß gibt es für organisatorische Fragen meistens mehrere Lösungen. Ich sehe durchaus kritische Schnittstellen zwischen dem Wirtschafts- und dem Forschungsministerium.

Beide Ministerien sollten ihren unterschiedlichen Sachverstand mehr als früher zusammen nutzen. Unsere jetzige Konzeption, die Forschungsaktivitäten der Regierung insgesamt zu bündeln, die Heranziehung und Förderung wissenschaftlichen Sachverstands quer durch alle Fakultäten in einem Ministerium zu vereinigen, hat seine Vorteile.

ZEIT: Die Industrie beklagt, daß die Abstimmung zwischen Ihrem Ressort und anderen Ressorts, die zu den Verbrauchern gehören – Post und Verkehr etwa – nicht funktioniert. Was durch Ihr Haus entwickelt wird, kommt bei den anderen nicht an, etwa im Bereich der Kommunikationstechnologien und der Verkabelung. Ist diese Klage berechtigt?