Von Edmund Köhn

Robinson Crusoe und Tarzan sind die Vorbilder für unsere halbwüchsigen Söhne. Aber auch auf den Vater fällt ein wenig Abenteurerglanz: Auf einem selbstgebauten Floß wollen wir den Rio Huallaga von Tingo Maria aus abwärts fahren. Fast fühlen wir uns als Pioniere, selbst wenn die Floßfahrten auch über ein Reisebüro gebucht werden können.

In der Literatur wird der Huallaga häufig als der „Mörder“ unter den Flüssen bezeichnet. Insbesondere auf seinem mittleren Abschnitt zwischen Huánuco und Tingo Maria ist er reißend und gefährlich. Danach wird er breiter und ruhiger. Seine Unberechenbarkeit verlangt aber auch dann die höchste Aufmerksamkeit der Flußreisenden.

Unsere Vorbereitungen begannen mit dem Studium einschlägiger Reisebeschreibungen und mit der Suche nach Kartenmaterial. Die ausgezeichneten Generalstabskarten des Instituto Geografico Militär in der Av. Aramburu gibt es nur über die Küste und die Sierra. Uns halfen bei der Vorbereitung dann Luftaufnahmen, die 1973 vom gesamten Verlauf des Huallaga gemacht worden waren. Die Vergrößerungen einzelner Flußabschnitte kann jedermann vom Instituto Aerografico am Militärflughafen Las Palmas erwerben (ebenso Luftaufnahmen der anderen Gebiete Perus).

Wir versuchten, mögliche Tagesstrecken auszumachen und markierten gefährlich erscheinende Stromschnellen. Von Tingo Maria nach Tocache, so hieß es, sei der Fluß relativ leicht befahrbar. Danach würden schwierige Stellen folgen, „malos pasös“. Bis Tocache führt auch die Straße, die Via Marginal.

Unsere Abreise nach Tingo Maria begann mit der Überquerung des Ticlio, des 4838 Meter hohen Andenpasses. Die Straße, obwohl einfach, bleibt eine respektable Leistung der Technik in dem durch Bergrutsche und Überschwemmungen gefährdeten Flußtal des Rio Rimac. Schließlich erreichen wir nach einer langen Abfahrt, die in Cerro de Pasco beginnt, das breite Tal des Huallaga, der hier einem Alpenbach ähnlich sieht.