Viele Sparer fühlen sich durch die „ewige Laufzeit“ abgeschreckt

Im Jahre 1980 mußten die deutschen Rentenfonds Rückflüsse von mehr als einer halben Milliarde Mark verkraften. Wiederholen sich hier die Ereignisse der Jahre 1973/74, als die damalige Hochzinsphase ebenfalls eine Absatzstagnation zur Folge hatte, oder haben die Rentenfonds ihre Zukunft überhaupt schon hinter sich?

Schon bei ihrer Gründung vor 15 Jahren waren die Rentenfonds umstritten. Sie entsprachen aber den damaligen Marktbedürfnissen. „Der Siegeszug des Rentenfonds reflektiert nur den Übergang des Anlegers von der Aktie zum festverzinslichen Wertpapier“, konstatiert Bernd Baehring in der Jubiläumsschrift von Union Investment. Die Zahlen bestätigen das: Ende 1980 betrug das Vermögen der deutschen Rentenfonds 18,9 Milliarden, das der Aktienfonds 9,3 Milliarden Mark. So die statistischen Angaben des BVI Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften e. V., dem 106 deutsche Publikumsfonds angeschlossen sind.

In der Gründungsphase versprachen die Rentenfonds, bessere Ergebnisse für die Sparer zu erwirtschaften, als ihnen dies bei der Direktanlage in festverzinslichen Papieren möglich sein sollte. Einmal waren es professionelle Manager, die die Rentendepots verwalteten, zum anderen aber auch wegen der Kostenvorteile, die der Rentenfonds als Großanleger auf dem Kapitalmarkt eingeräumt erhält. Fonds bekommen Mengenrabatte und zahlen auch niedrigere Effektenprovisionen. Viele Kreditinstitute taten ein übriges zur Förderung der Rentenfonds. Sie überführten Kundenkleindepots in die Fonds und waren stolz auf solche Rationalisierungserfolge. Möglicherweise wäre die Entwicklung bei den Rentenfonds anders verlaufen, wenn die Investment-Gesellschaften nicht im Besitz der Banken wären. Aber so bleiben die Kunden ja im Hause.

Nach fünfzehnjähriger Erfahrung haben die Rentenfondssparer gemerkt, daß die Fonds-Manager auch nur mit Wasser kochen und es auch ihnen nur ganz begrenzt möglich ist, wirklich besser mit dem Geld der Sparer zu wirtschaften. Zur Entschuldigung wird angeführt, daß die Vermögensanlage in Anteilen eines Rentenfonds aus der Sicht des Erwerbers meist verschiedenen Zielsetzungen dient: Sie soll einen angemessenen, marktgerechten Ertrag bieten, zugleich aber die finanzielle Sicherheit und die jederzeitige Zahlungsbereitschaft gewährleisten helfen. „Wo diese drei Zielsetzungen mehr oder weniger gleichwertig nebeneinander rangieren, kann weder bei der Kalkulation des voraussichtlichen Anlageerfolges noch bei der Beurteilung des bisherigen Anlageergebnisses allein auf die Rendite abgestellt werden. Im nachhinein bekommen die gute Liquidität und die hohe Sicherheit einer Rentenfondsanlage nicht selten freilich einen Stellenwert von Null, wenn andere oftmals riskante Kapitalanlagen einen höheren Ertrag oder Gewinn abgeworfen haben“, beklagt der BVI das Anlegerverhalten.

Nun müssen wir uns fragen, meine verehrten Leser, welchen Stellenwert die finanzielle Sicherheit und die jederzeitige Zahlungsbereitschaft für den Normalsparer tatsächlich haben und ob er dafür bei den Rentenfonds nicht einen zu hohen Preis zahlt?

Sehen wir uns zunächst einmal die Zahlungsbereitschaft an. Für den Sparer ist dies hauptsächlich eine Frage der Größenordnung und eine Auswahl der richtigen Papiere. Wer die Gewißheit haben will, sich jederzeit zu marktgerechten Kursen wieder von seinen festverzinslichen Papieren trennen zu können, muß sich weitgehend im Bereich der Bundespapiere bewegen, also dort, wo sich kurspflegende Stellen für den Handel verantwortlich fühlen. Kleinere Posten lassen sich erfahrungsgemäß aber überall reibungslos wieder zu Geld machen. Insofern ist für den „Normal“-Anleger die jederzeitige Zahlungsbereitschaft eine Frage zweiter Bedeutung.