Von Viola Roggenkamp

Hamburg

Vor dem Hamburger Arbeitsgericht klagt eine Frau gegen ein deutsches Handelsunternehmen. Die Firma stellt für ihren Managementnachwuchs nur Männer ein. Das ist genau der Prozeß, auf den Eva Rühmkorf schon lange gewartet hat. Eva Rühmkorf ist die Leiterin der Hamburger „Leitstelle Gleichstellung der Frau“. Ein unmöglicher Name für eine Institution ohne Kompetenzen. Aber dafür kann die Leiterin nichts. Sie kann auch nichts für das Gesetz über die Gleichbehandlung von Männern und Frauen am Arbeitsplatz, das am 13. August 1980 die Männer von SPD, FDP und CDU in Bonn verabschiedeten.

Im Gesetzestext heißt es nämlich: „Wenn im Streitfall der Arbeitnehmer“ – welcher Mann wird schon wegen seines Geschlechtes diskriminiert, gemeint ist natürlich die Arbeitnehmerin – „Tatsachen glaubhaft macht, die eine Benachteiligung wegen des Geschlechts vermuten lassen ...“. Den Beweis muß also in der Bundesrepublik, entgegen den EG-Bestimmungen, denen das Bonner Gesetz folgen soll, unverändert die betroffene Frau bringen. Das hat sie mit den Extremisten im öffentlichen Dienst gemeinsam.

Der Prozeß nun, von dem hier und womöglich auch vor dem Europäischen Gerichtshof die Rede sein wird, ist die erste Klage, die nach Inkrafttreten des Bundesgesetzes geführt wird:

Dorit Harz, 27 Jahre alt und diplomierte Kauffrau, bewarb sich um eine in der Welt am 24. Januar 1981 ausgeschriebene Management-Nachwuchsposition bei der Deutschen Tradax, Tochtergesellschaft eines amerikanischen Privatunternehmens. Geschäftsführer Rolf Prehn schickte dem „sehr verehrten Fräulein Harz“ eine Absage und begründete sie mit diesen imponierenden Worten:

„Der weltweite Handel mit landwirtschaftlichen Massengütern, zu dem, neben der Erzeugung, als wesentliche Elemente auch die internationale Massengutschiffahrt und äußerst nervös reagierende, hochspekulative Warenterminbörsen in den Haupterzeugungsländern gehören, hat bis heute seine ausschließlich männliche Prägung bewahrt. Noch weniger als in anderen Bereichen der Wirtschaft ist in unserer Branche Damen der Einbruch in Managementpositionen gelungen. Daher wendet sich unsere Anzeige auch in der Tat nur an männliche Hochschulabsolventen der Wirtschaftswissenschaften.“