Hervorragend

The King’s Singers: „Victorian Collection“: Das ist eine wohlgerundete, charakteristische Sammlung von Liedern aus dem viktorianischen England. Man kann diese. Schallplatte getrost als eine kleine Entdeckung verstehen, schon deswegen, weil man gewöhnlich in leichten Liedern des neunzehnten Jahrhunderts nicht gleich so viel Qualität vermutet – und weil sie nicht immer mit so viel Respekt und Lust behandelt werden. Die sechs .Engländer, die diesen längst weltberühmten Kammerchor bilden, meiden billigen Spott ebenso wie platt ausgekostete Rührseligkeit, sie kleiden ihre Achtung aber auch nicht in bloße Ordentlichkeit. Sie lassen kein Körnchen Staub auf diesen bisher verstaubten, geselligen, vergangenheitssehnsüchtigen, sanften, komischen und bisweilen süßen Liedern und geben einem von Mal zu Mal mehr Anlaß zum Staunen. Manchmal weiß man nicht recht, was einen mehr entzückt, die Melodien oder die gewiefte Satzkunst (der King’s Singers, die sich die Stücke selber arrangiert haben) oder der Gesang des Chors, seine Kunst der disziplinierten Leichtigkeit, der lebensfrohen Präzision, des intelligenten Humors, der diese gehobene Unterhaltung zu. einer Veranstaltung von Kultur und Witz macht. So gibt es unter den neunzehn Stücken keins, das einen zum Weghören verleitete. (Aves/Intercord INT 161.541)

Manfred Sack

Routiniert

Dave Edmunds: „Twangin“. Das ist also Dave Edmunds’ sechster Oldies-Rückblick in LP-Form, und der Titel scheint zu implizieren, daß er neuerdings den Gitarrenstil von Duane Eddy einer staunenden Pop-Nachwelt nahebringen möchte. Aber bei der Songauswahl favorisierte er wieder seine Lieblinge wie Buddy Holly, die Everly Brothers und Elvis Presley, und fast schon obligatorisch ist seine Reverenz an den Gesinnungsfreund John Fogerty („Almost Saturday Night“). Leider folgte er bei den Arrangements der Pop-Klassiker aus den fünfziger und frühen sechziger Jahren diesmal allzu gern seinem (eigenen) bewährten Rezept, und er machte sich auch nicht die Mühe, obskurere Songs der Rockabilly-Ära wiederzuentdecken. Gemessen am Standard früherer Platten – und der ist beim Rock-’n’-Roll-Konservator Dave Edmunds eben sehr hoch – ist „Twangin’“ mehr eine Gelegenheitsarbeit, wenn auch mit einem halben Dutzend vorzüglich produzierter Songs neben mehreren „Füllern“. (Swan Song SS 59 411) Franz Schöler