Heilbronn: „Franz Sequenz – Arbeiten 1970–1980“

Auf dem ersten Gemälde aus dem Jahr 1970 ist ein Bagger, der in einem Fabrikgelände Steine aufschaufelt, das zentrale Motiv. Dann folgen Ansichten von Zementwerken, Schleusen, Pipelines, Erzinseln, Öltanks, Kühltürmen, Kohlenhalden, Raffinerien und Förderanlagen – Franz Sequenz hat ein ganzes Jahrzehnt lang nur Industriebilder gemalt. Die Genauigkeit im Detail verbindet seine Darstellungen mit denen des Realismus in den zwanziger Jahren, mit dem Unterschied allerdings, daß Sequenz die Technik nicht mythologisiert. Er kommentiert in seinen Bildern auch nicht die industrielle Umweltzerstörung und bleibt unberührt von der Förderturm-Romantik. Sequenz hält Fabriken, kanalisierte Flüsse und Überlandleitungen einfach für einen Teil unserer Umwelt, vor dem man nicht die Augen verschließen kann. Ein Steinbruch ist für ihn ein Motiv, das vom Maler ebensoviel Aufmerksamkeit verlangt wie ein Stilleben oder ein Interieur. Tatsächlich wirken seine oft menschenleeren Bilder als Industriestilleben, die weniger durch die immer wieder gleichen – Darstellungsinhalte beeindrucken und mehr durch die Malweise. Sequenz, der seine Arbeiten in Aquarellen sorgfältig vorbereitet, geht langsam und genau vor. Er legt Farbschichten solange lasierend übereinander, bis die Malerei die gewünschte Dichte und Prägnanz erreicht hat. Dabei entpuppen sich dann Erdaufschüttungen, Halden, Steinbrüche und Wasser, die auf den ersten Blick fast photographisch genau abgebildet scheinen, aus der Nähe betrachtet als abstrakt gemalte Flächen. Aus dieser Spannung von Wirklichkeitsbeschreibung und Wirklichkeitsauflösung lebt die Malerei von Franz Sequenz. (Städtische Museen, bis 14. Juni. Werkmonographie 28 Mark) Helmut Schneider

Berlin: „ter Hell“

Ter Hell, Mitbegründer der Selbsthilfegalerie „1/61“, ist das Chamäleon der jungen, um 1950 geborenen Künstlergeneration, die seit knapp zwei Jahren die Berliner Kunstlandschaft durcheinanderwirbelt. Sein Werk ist gekennzeichnet durch ungewöhnliche stilistische Vielfalt und Offenheit: er malt ganzabstrakte Bilder ebenso wie nur aus Worten bestehende, er arbeitet mit kräftigsten, breitesten Farbwegen und zugleich mit feinsten Tropfspuren, er hat strenge Muster und wildeste, chaotische Farbgemenge, offene, durchscheinende Oberflächen. Die Beliebigkeit im Stil entspringt jedoch keiner Gleichgültigkeit, sondern vielmehr höchster Bewußtheit des Formalen; ter Heils Anregungen liegen darum auch weniger bei Pollock – den er mit nichtzentrierten und auf den Rahmen bezogenen All-over-Strukturen und im Bild „Hi Jackson“ zitiert, sondern bei dessen europäischen Kollegen Georges Matthieu, Arnulf Rainer, auch Bernhard Buffet (der gegenwärtig eine erstaunliche Renaissance feiert). Anders als Pollock verliert er sich nicht im Bild (wie es vielleicht noch seinem Lehrer Fred Thieler möglich ist, sondern hat stets absolute Kontrolle über den Malakt; das Ergebnis ist höchst kalkuliert und nicht frei-assoziativ, auch wenn er manchmal den gegenteiligen Eindruck erwecken will. Der Bildrahmen ist darum als regulierendes und eingrenzendes Moment von besonderer Bedeutung, er wurde auch schon von der Leinwand befreit und vorgezeigt. Narzißtisch und selbstbewußt erkundet ter Hell die Grenzen des Bildgefüges, mißt seine Schöpferkraft an den Regeln, die das Bild ihm setzt. Er untersucht, wie wenig und wie viel er der Leinwand hinzufügen muß, um sie zum Bild werden zu lassen, erforscht das Spannungsverhältnis zwischen der inhaltlichen Bedeutung eines Wortes und seiner formalen Erscheinung, zwischen dekorativem Patterning und existentialistischem Pinselschlag, zwischen Ordnung und Anarchie. (Galerie Nothelfer, bis 16. Juni, Katalog 15 Mark) Ernst Busche

Wichtige Ausstellungen Berlin: „Karl Friedrich Schinkel – Werke und Wirkungen“ (Martin-Gropius-Bau bis 17. 5., Katalog 20 Mark)

Berlin: „Karl Friedrich Schinkel – Architektur, Kunstgewerbe, Malerei“ (Orangerie Schloß Charlottenburg bis 13. 12., Katalog 25 Mark)

Düsseldorf: „Joseph Cornell“, (Städtische Kunsthalle bis 14. 6., Katalog 25 Mark)