Von Irmgard Bayer

Schon seit den Tages des Ersten Weltkrieges mischt sich der Staat in Österreich vehement in Wohnungsfragen ein, weil, so die Politiker, die „Wohnung keine Ware ist“ und „der Markt nicht funktioniert“. Das gilt für Mietwohnungen genauso wie für den Bau von Eigentumswohnung gen. Denn nur wenige Bauvorhaben werden ohne öffentliche Darlehen „frei finanziert“, der private Bau von Mietwohnungen existiert praktisch überhaupt nicht.

Der Wohnungsmarkt funktioniert trotz aller staatlichen Eingriffe aber noch immer nicht. Die Politiker antworten auf diesen mißlichen Umstand trotz aller schlechten Erfahrungen mit staatlicher Reglementierung aber immer noch mit dem Ruf nach mehr Eingriffen. Das neue Mietrecht, das der österreichische Justizminister seit mehr als zwei Jahren gegen die Proteste der ÖVP durchzufechten versucht, würde einen neuen Höhepunkt staatlicher Einflußnahme bilden: Es sieht gesetzlich festgelegte Höchstmietsätze für die einzelnen Wohnungskategorien vor, und die Hauseigentümer dürfen an ihren Wohnungen fast nichts verdienen.

Die größten Wohnungsprobleme hat die Bundeshauptstadt Wien, sie trägt noch am Erbe der Monarchie. Von den rund dreihunderttausend Abtwohnungen in Wien, so schätzt der oberste Standesvertreter der österreichischen Immobilien-Verwalter, Wolfgang Renezeder, sind noch immer mehr als die Hälfte „Substandardwohnungen“, das heißt, daß sie über keine eigene Toilette oder über keinen eigenen Wasseranschluß verfügen. Wobei die Wasserversorgung das geringere Problem ist, die meisten Mieter können selber für die Installation sorgen. Für die eigene Toilette dagegen sind umfangreichere bauliche Veränderungen nötig.