Von Fritz J.Raddatz

Fritz J. Raddatz: Ist der linke Autor Peter Schneider ein bundesoffizieller Exportartikel geworden?

Peter Schneider: Einer unter anderen. Es ist schon merkwürdig, wenn man erfährt, daß in Bolivien ein guter Teil der Panzer, die dort gegen Demonstranten eingesetzt werden, aus dem Fahrzeugpark der deutschen Polizei stammt; und ein paar Häuser weiter zeigt die Deutsche Botschaft den Film „Messer im Kopf“, eingeladen vom Goethe-Institut. Daß beide Artikel – mit unterschiedlichem Ertrag allerdings – gehandelt werden, erstaunt auf den ersten Blick. Vermutlich ist das eine ganz intelligente Politik. Sie haben herausgefunden, daß Leute, die nicht als Staats-Könfirmanten auftreten, im Ausland einen besseren Eindruck machen, den Staat wohl auch glaubwürdiger vertreten. Daß ein Autor sich selbst vertritt – diesen Nachteil nimmt man ein bißchen zähneknirschend in Kauf.

FJR: Ist es wirklich eine Strategie der Goethe-Haus-Organisation oder ist es auch ein bißchen der Zufall, daß man erst hinterher begreift, wen man sich da geholt, eingehandelt hat? Sie haben eben den Film „Messer im Kopf“ erwähnt, waren Ihre Gastgeber immer glücklich, wenn Sie mit diesem Film erschienen?

Schneider: Da sind merkwürdige Dinge passiert. Zunächst muß man mal sagen, daß dieses große und sehr leistungsfähige Reiseunternehmen namens Goethe-Institut ein sehr widersprüchliches Gebilde ist. Ich habe die allerverschiedenartigsten Erfahrungen gemacht in Lateinamerika, darunter ganz ausgezeichnete. Warum die einen Erfahrungen positiv sind und die anderen unzumutbar, hängt einerseits sehr stark von den Personen, vom Einsatz des jeweiligen Leiters ab, andererseits von dem Land, in dem ein Goethe-Institut mit seinem Programm agiert. Ich möchte hier mehr von den negativen Erfahrungen sprechen, weil ich durchaus vorhabe, mit diesen Informationen etwas in Bewegung zu setzen. Deswegen beschränke ich mich auf meine Erfahrungen mit den Instituten in den Diktaturen, durch die ich gekommen bin: Bolivien, Chile, Argentinien und Brasilien. Auch in diesen Ländern waren die Erfahrungen ganz verschieden. In Chile wurde ich gleich auf dem Flugplatz eingestimmt: Ich erfuhr, daß mein Film „Messer im Kopf“ überhaupt nicht laufen kann.

FJR: Das wird Ihnen mitgeteilt von einem Goethe-Haus?

Schneider: Ja, von dem Leiter selber, der hat mich abgeholt. Als ich dann nachfragte, wieso, war die erste Auskunft, es sei nicht möglich gewesen, den Film rechtzeitig der chilenischen Zensur vorzuführen. Damit mußte ich mich erst mal abfinden. Dann habe ich durch chilenische Freunde herausgefunden, daß das nicht der Grund sein könnte. Bei einmaligen Veranstalten- – gen des Goethe-Instituts reagiert die Zensur sehr schnell und unbürokratisch; sie gibt den Film entweder ohne Genehmigung frei oder erteilt sie in zwei, drei Tagen.