Hamburg

Zwei neue Wochenzeitungen wird es bald in der Pressestadt Hamburg geben:

Die Tribüne, die vom 15. Mai an jeden Freitag mit 20 Seiten und 20 000 Exemplaren an den Kiosken für eine Mark fünfzig zu kaufen sein wird; und die Hamburger Rundschau, die sich mit einer Startauflage von 20 000 und einem Umfang von 20 Seiten, bei einem Heftpreis von zwei Mark, erst im nächsten Frühjahr in die Hamburger Presselandschaft wagen will.

Beide wollen der lokal herrschenden Springer-Presse Konkurrenz machen und in Meinung und Information ein politisches Gegengewicht bilden, und die Gründer, der beiden Zeitungen finden das Konzept der jeweils’ anderen nicht gelungen. Das könnte an einer weiteren Gemeinsamkeit liegen: An beiden Blättern basteln nämlich ehemalige Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost, und so etwas entzweit .offenbar. Mitgründer der Hamburger Rundschau, ist Klaus Schwidrowski, vorher stellvertretender Chefredakteur der Morgenpost. Tribüne-Initiatoren sind die ehemaligen Morgenpost-Mitarbeiter Holger Wolf und Folkert Mohrhof.

Die Tribühne will eine engagierte linke, alternative Wochenzeitung sein, die als Genossenschaft organisiert ist. Sieben Mitglieder haben mindestens je 5000 Mark in Verlagsgenossenschaft eingezahlt oder werden ihren Anteil noch abstottern. „Die Tribune“, heißt es in der Nullnummer, „ist Eigentum ihrer Mitarbeiter, es gibt keinen Chefredakteur und keine Inhaber, außer den Genossen der Tribüne

Das gab es schon einmal in Hamburg. 1920 erschien hier die Hamburger Tribüne, ein Blatt radikaler Sozialdemokraten der USPD, die in der Weimarer Republik all ihre Zeitungen als Genossenschaft herausgaben.

Die Hamburger Rundschau dagegen soll von einer Verlags-GmbH & Co KG herausgegeben werden, in die 17 Journalisten aus Hamburger Verlagen und Agenturen, dem Rundfunk und Fernsehen, jeweils einen Betrag zwischen 1000 und 5000 Mark eingezahlt haben. Das bisherige Startkapital von 50 000 Mark jedoch ist den Journalisten ein zu unsicherer Boden. Erst wenn eine Million Mark beisammen ist, will die Verlagsgesellschaft Mitarbeiter einstellen und die links-liberale Hamburger Rundschau herausgeben.