Die reichen Ölstaaten kümmern sich nicht nur um ihren eigenen Wohlstand, sondern gewähren inzwischen auch den armen Ländern der Dritten und Vierten Weit finanziell weit großzügigere Hilfe als die Industrienationen.

In Wahlkämpfen spielt das Thema kaum eine Rolle, weil es einfach keine Stimmen bringt – im Gegenteil. Parteien und Kandidaten, die versprechen, mehr Geld für Entwicklungshilfe auszugeben, haben gute Chancen, Wähler Zu vergraulen.

So kann es nicht wundern, daß etwa der amerikanische Präsident Ronald Reagan wenige Wochen nach Amtsantritt eine Kürzung der Gelder für Entwicklungshilfe um zehn Prozent ankündigte. Englands Premierministerin, Margaret Thatcher, war mal wieder energischer. Sie verfügte eine Verminderung der Entwicklungshilfe um sechzehn Prozent.

Große Proteste gab es weder in den Vereinigten Staaten noch in Großbritannien, Denn wer wollte den Argumenten der Politiker schon widersprechen, daß die miserable wirtschaftliche Lage eben von allen Opfern verlange, auch von den Entwicklungsländern. Für die unterentwickelten Staaten ist die Erfahrung nicht neu, daß sie unter Konjunkturkrisen der Industriestaaten viel schneller leiden, als sie – im umgekehrten Fall – vom Aufschwung profitieren.

Das 1970 von der Uno gesteckte Ziel, daß bis zum Ende des Jahrzehnts die Industriestaaten 0,7 Prozent ihres Bruttosozialprodukts für Entwicklungshilfe ausgeben, liegt in weiter Ferne. Die zwanzig wichtigsten westlichen Industrieländer zahlen durchschnittlich nicht mal 0,4 Prozent ihrer wirtschaftlichen Leistungen für die Dritte Welt. Reiche Staaten wie die USA oder die Schweiz liegen noch deutlich unter diesem Wert, die Bundesrepublik knapp darüber. Das Uno-Versprechen haben eigentlich nur die Skandinavier erfüllt. Das ökonomisch angeschlagene Dänemark liegt mit 0,7 Prozent voll im Ziel, Schweden und Norwegen geben mit einem Prozent vom Bruttosozialprodukt sogar mehr aus, als die Uno wünscht.

Den säumigen Zahlern fällt natürlich eine Ausrede ein. Schuld an den weltwirtschaftlichen Problemen sei die Opec, die mit ihren unmäßigen Ölpreisen nicht nur das Wachstum der Industriestaaten abwürge, sondern auch die Dritte und Vierte Welt vollends in den Ruin treibe. Die Opec solle gefälligst selbst etwas für Entwicklungshilfe tun.

Die Einwände gehen freilich weit an der Wahrheit vorbei. Die ärmsten Entwicklungsländer leiden Weniger unter hohen Ölpreisen, als unter den horrenden Ausgaben für Nahrungsmittelimporte aus dem Westen. Und die Opec, deren gesamtes Bruttosozialprodukt kaum größer ist als das Italiens, hilft gerade den unterentwickeltsten Nationen mit Beträgen, die die Industriestaaten beschämen.