Die Zinsen in der Bundesrepublik werden in den nächsten Monaten nicht wesentlich sinken. In dieser Meinung stimmen die meisten Banken überein, auch wenn einige Institute die Hochzinspolitik der Bundesbank für falsch halten. Aber das sind Außenseiter.

Wahrscheinlich ist aber die Bundesbank gar nicht mehr in der Lage, den Zins nennenswert nach unten zu beeinflussen. Er dürfte in den kommenden Monaten immer stärker durch die Nachfrage bestimmt werden. Der Finanzbedarf der öffentlichen Hände ist um etliche Milliarden Mark höher, als sie bisher zuzugeben bereit waren. Und wenn es stimmt, was der Platow-Brief kürzlich behauptete, daß nämlich die Saudis dem Bundeskanzler erklärt haben, über die sechs Milliarden Dollar für die umstrittene Anleihe der Kreditanstalt für Wiederaufbau (für Energiesparmaßnahmen) hinaus würde, die Bundesrepublik in diesem Jahr keine Mittel mehr von ihnen bekommen, kann es auf dem deutschen Kapitalmarkt zu fatalen Engpässen mit Rückwirkungen auf die Zinsen kommen.

Kein Wunder, wenn bei diesen Aussichten weder die Großanleger noch der „Normalsparer“ bereit sind, dem „guten“. Rat der Banken zu folgen, sich den gegenwärtigen Zins doch langfristig zu sichern. Solange die berechtigte Aussicht auf weiter steigende Zinssätze besteht, behalten die Kurzläufer Vorrang. Bei ihnen sind gelegentlich schon jetzt Renditen von knapp unter dreizehn Prozent erzielbar.

Die neue Postanleihe mit ihrer Rendite von 10,34 Prozent bei achtjähriger Laufzeit besitzt nur wenig Anziehungskraft, obwohl sie in diesem Bereich mit einem Nominalzinssatz von 10,25 Prozent ausgestattet worden ist, dem bisher höchsten nach dem Kriege. Nun, die Konsortialbanken haben diesen Konditionen zugestimmt. Jetzt müssen sie sehen, wie die Anleihe plaziert werden kann. K.W.