In der Ausgabe vom 1, Mai schrieb Telebiss, daß der NDR-Intendant den CDU-Sprecher von Niedersachsen, Volker Benke, auf eine besonders hochdotierte Redakteursstelle hieven will. Wegen dieser Personalie, so meinte Telebiss, habe der parteilose Chefredakteur vom Deutschlandfunk, Bernhard Wördehoff, es abgelehnt, Funkhausdirektor in Hamburg zu werden. Bernhard Wördehoff schrieb uns dazu diese Zeilen:

Ihr Beitrag hat für Außenstehende ein Problem des neuen NDR sichtbar gemacht. Meiner Absage, Funkhausdirektor in Hamburg zu werden, lag jedoch mehr zugrunde als jene Personalie, die Telebiss in den Mittelpunkt stellt.

Erfahrungen (so als Chefredakteur im Deutschlandfunk) haben meine Überzeugung bestätigt, daß der Journalist im Rundfunkpluralismus (nicht anders als in der vielstimmigen ZEIT) ungeachtet seiner Parteipräferenz dann ein gutes Programm besorgt, wenn er von professionellen Maßstäben geleitet wird und seine Loyalität allein dem Programm verpflichtet ist. Findet er sich dagegen als Gewicht in der Waagschale des „Tarement“ wieder, wird man von ihm auch nichts anderes als Parteigängerschaft erwarten dürfen. Im äußersten Fall wird dann aus dem Rundfunkjournalisten mit Parteibuch der Rollenträger einer Partei im Rundfunk. Der Prozeß dahin wird befördert, wenn bei der Besetzung einer gut dotierten Planstelle unterhalb der proporzgewohnten Leitungsebene die verdienstvolle Parteikarriere den Nachweis professionellen Sachverstandes ersetzen darf. Da muß ein Klima entstehen, in dem Pluralität durch Professionalismus zum Proporzprogramm verkümmert.

Meine Absage an den NDR, von anderen als blauäugig oder puristisch gesehen, ging von der nüchternen Einsicht aus, daß die laut neuem NDR-Staatsvertrag vom Funkhaus in eigener Verantwortung zu gestaltenden Programme anderer Voraussetzungen bedürfen, als sie mir gegeben schienen, um dem öffentlich-rechtlichen Auftrag zu entsprechen und den Erwartungen des Publikums gerecht Zu werden.

Bernhard Wördehoff

Köln-Marienburg