Wann immer es der FDP in Bayern schlechtging, fing die durchaus auch kompromißbereite, aber eben notfalls auch sehr streitbare Dame an zu kämpfen. Beinahe eigenhändig brachte sie die FDP in den bayerischen Landtag, erledigte sie die Konfessionsschule, stürzte sie den bayerischen Kultusminister Maunz, verteidigte sie die Freiheit des Rundfunks in Bayern.

Wodurch kommt Hildegard Brücher, verehelichte Hamm, die keineswegs eine brillante Rednerin ist, so gut an, wenn sie zu den Leuten spricht? Es kann nicht nur ihr natürlicher Charme sein, den sie, zwar pflegt, aber ungern ausspielt. Die Hartnäckigkeit andererseits, mit der sie ein Ziel, das sie sich einmal gesetzt hat, verfolgt, hat ihr nicht nur Freunde gemacht.

Nein, es ist wohl vor allem dies: Die Leute haben, während sie ihr zuhören, ein Gefühl, das andere Politiker nur selten auslösen, das Gefühl nämlich: die meint, was sie sagt.

Dieses Gefühl ist solide begründbar: Hildegard Hamm-Brücher sagt tatsächlich, im Rahmen des Möglichen, was sie meint. Die kleine taktische Schwindelei ist ihr zuwider. Die große strategische Lüge ist ihr fremd.

Manchen ihrer Kollegen geht sie auf die Nerven mit ihrer Aufrichtigkeit nach Wandervogelart, mit ihrer Damenhaftigkeit des hockey playfrag type. Im bayerischen Landtag war sie so wenig allgemein beliebt wie im Bundestag. Auch in den Ministerien, einst im hessischen Kultusministerium, dann im Bundesbildungsministerium, jetzt im Auswärtigen Amt, waren viele wenig entzückt von dieser dynamischen Frau-Dampfin-allen-Gassen, die so oft Beamtenruhe und -ordnung störte. Und daß sie nicht lockerließ! Und daß sie nie aufgeben wollte! Penetrant!

Viel schwerer zu erklären ist ihr gestörtes Verhältnis zu Helga Schuchardt, die für die FDP in Hamburg etwa die gleiche Rolle spielte wie Hildegard Hamm-Brücher für die FDP in München. Die gleiche Partei; die gleiche Führungsposition; das gleiche, für beide Frauen in ihren jeweiligen Generationen ja noch immer ungewöhnliche Studium der Naturwissenschaften, das die eine zum Chemiker machte, die andere zum Ingenieur. Beide sind sie auf ihre eigene Weise so emanzipiert, daß sie von Emanzipation nicht zu reden brauchen. Beide haben ein ungebrochenes Verhältnis zu Männern. Sie verdanken Männern auch viel, und manchmal erinnern sie sich daran. Königinnen unter sich, Maria und Elisabeth?

Der Nobelpreisträger Heinrich Wieland promovierte Hildegard Hamm-Brücher zum Dr. phil. nat. Theodor Heuß war es, der sie zur Politik und in die FDP brachte; Thomas Dehler war nicht weit weg. Waldemar von Knoeringen, der große alte Mann der bayerischen SPD, ging in ihrem Hause ein und aus. Der hessische Kultusminister Ernst Schütte ernannte sie zum Staatssekretär. Bildungsminister Leussingk holte, sie in der gleichen Funktion nach Bonn. Bundesaußenminister Genscher machte die Frau Staatsminister zu seinem persönlichen Vertreter.