Vor Gericht haben jetzt die Väter Konjunktur. Nach den ehelichen, aber geschiedenen Vätern, die sich durch das neue Scheidungsrecht benachteiligt fühlten, und den nichtehelichen (mit der Mutter nicht verheirateten) Vätern, denen das Bundesverfassungsgericht kürzlich die Möglichkeit abschnitt, das Sorgerecht für ihr Kind zu übernehmen, ist jetzt eine dritte Gruppe von Vätern vor Gericht gescheitert: die Väter aus „Ehen zu dritt“.

Dem Bundesgerichtshof lag folgender sichtlich aus dem Leben gegriffener Sachverhalt zur Entscheidung vor:

Eine verheiratete Frau lebte über Jahre hin mit ihrem Ehemann und ihrem Freund zusammen. Am 24. Dezember 1974 bekam sie eine Tochter. Alle drei „Ehe“-Partner waren überzeugt, Vater des Kindes sei der Freund. Nach dem Gesetz aber gilt jedes in eine bestehende Ehe hineingeborene Kind als eheliches Kind des Ehemannes, solange die Ehelichkeit des Kindes nicht erfolgreich vor Gericht angefochten worden ist.

Bei der hier zur Debatte stehenden Dreierbeziehung störte das zunächst niemanden. Als aber die Frau nach einiger Zeit ihr Verhältnis zum Hausfreund abbrach, besann dieser sich auf seine Vaterschaft und wollte nun eindeutig und auch rechtlich wirksam festgestellt haben, daß er und nicht der Ehemann Vater des Kindes sei. Den ehelichen Eltern ging er damit auf die Nerven. Sie versuchten, ihm gerichtlich die Behauptung verbieten zu lassen, daß er der Väter seiner Tochter sei.

Daraufhin wurde der Drittvater selbst offensiv: Er begann seinerseits, die Gerichte zu bemühen, und wollte festgestellt wissen, daß sein „Vaterschaftsrecht“ auch das „Recht auf Bezeugung dieser Vaterschaft“ einschließe. Der vierte Zivilsenat des Bundesgerichtshofes hat ihn in einer jüngst veröffentlichten Entscheidung endgültig abgewiesen (Aktenzeichen: IV b ZR 561/80).

Das Gericht hält seine Vaterschaftsklage für „schlechthin unzulässig“. Denn: Niemand, darf nach unserem Gesetz die Ehelichkeit eines Kindes in Frage stellen, solange dessen! Nichtehelichkeit nicht feststeht. Diese Feststellung ist aber nur durch eine Anfechtung der Ehelichkeit vor Gericht möglich. Anfechtungsberechtigt ist in erster Linie der eheliche Scheinvater, in zweiter Linie das Kind selbst. Solange das Kind minderjährig ist, muß ein Vormund oder Pfleger dessen Rechte wahrnehmen. Der leibliche Vater aber – unser Recht nennt ihn bezeichnend „Erzeuger“ – hat kein eigenes Anfechtungsrecht.

Für den Vater aus der Ehe zu dritt bedeutet das: Wenn das Ehepaar die Abstammungsfrage auf sich beruhen lassen will, hat er keine Möglichkeit, seinerseits auf Feststellung der Vaterschaft zu dringen. Das gilt auch dann, wenn allen Beteiligten klar ist, daß nur er der Vater des Kindes sein kann. Wichtiger als das „Recht auf Bezeugung seiner Vaterschaft“ ist. nämlich der „Schutz des Familienfriedens“ und der „Anspruch des Kindes auf ungestörtes Aufwachsen in dem unangefochtenen Status des ehelichen Kindes“.

Anders, als die geschiedenen und die „normalen“ nichtehelichen Väter braucht der Erzeuger aus der Ehe zu dritt seinem Kind keinen Unterhalt zu zahlen, das Kind erbt nicht von ihm und auch er beerbt sein Kind nicht. Unser Recht blendet ihn einfach aus. Ob so viel Formalismus und so wenig Rücksicht auf die tatsächliche Abstammung nicht doch ein bißchen übertrieben ist? Eva Marie von Münch