... scheuen Menschen Verantwortung?Wovor haben sie Angst, die sich in einem kompletten Wortschatz manifestiert: „Da halte ich mich raus“, „Das ist nicht mein Bier“, „Damit will ich nichts zu tun haben“, „Das nehme ich nicht auf meine Kappe“ – warum nicht? Ist es Erziehungsprozeß oder Menschennatur, daß jeder Abteilungsleiter sich die Bleistiftbestellung vom Hauptabteilungsleiter abzeichnen läßt und der sich die Reinigung der Bürogardinen vom Prokuristen – eine endlosearithmetische Reihe des „Aufhalsens“, wie es so schön heißt. Was ist so schlimm daran, zu sagen – „O. k., mein Fehler“ oder gar „Macht nichts, ich übernehme die Verantwortung für Ihren“?

Die Ängstlichkeit führt weit. Man versuche mal, auf dem Frankfurter Flughafen jemanden zu finden, der bereit wäre, die entscheidungsträchtige Botschaft entgegenzunehmen, daß auf dem Herrenklohinter dem Restaurant kein Papier mehr sei: die Kellnerin hält es für einen unzüchtigen – Antrag, die Tischabräumerin ist nur fürs Abräumen der Tische zuständig, das Kassenfräulein passiert und ist ansonsten ohnehin düpiert – nun schon gar: „Ich bin nicht die Klo-Frau“. Hat jaauch keiner angenommen; nur, wer bitte schön, ist denn „verantwortlich“? Muß es gleich ein Fernschreiben an die Lufthansa sein?

Deren Angestellte, unter Umständen Stewardessen genannt, frage man mal nicht nach Orangensaft oder Keks’chen; man frage mal, warum wir Verspätung haben, warum man das entsetzliche Gedudel „Three coins in the fountain“ beim Starten und Landen ertragen oder die „Rückenlehne aufrecht“ (nicht in der 1. Klasse!) stellen muß: no comment. Dafür sind die Damen nicht zuständig, nicht „verantwortlich“. In der Vokabel birgt sich aber der Begriff „Antwort“ (also eingehen auf einen anderen Menschen); und vor der drückt sich, wer kann – und sei es auf die Frage „warum“? F.J.R.