Seit Montag sind VW- und Audi-Modelle um 3,9 Prozent teurer. Trotz Verlusten von Marktanteilen glauben die Kalkulatoren in Wolfsburg offenbar, auch mit höheren Preisen den japanischen Automobil-Konkurrenten Paroli bieten zu können.

Das Ritual ist altbekannt: Die Tarifverhandlungen sind gerade beendet, da erhöht einer der großen deutschen Autohersteller auch prompt die Preise. Höhere Kosten, für jedermann verständlich angesichts der gestiegenen Löhne, müssen zur Begründung herhalten; beim Vorreiter ebenso, wie bei dessen heimischen Konkurrenten, die alsbald nachziehen.

Auch in diesem Jahr hat sich daran, so scheint es, nichts geändert: Seit Anfang dieser Woche sind die Fahrzeuge von VW und Audi teurer, kaum, daß die Tinte auf den Haustarifverträgen getrocknet ist.

Diesmal allerdings trügt der Schein, in diesem Jahr fällt es den VW-Konkurrenten Ford und Opel schwerer, dem schlechten Beispiel aus Wolfsburg zu folgen. Ford beginnt sich gerade etwas von dem hohen Verkaufsrückgang des Vorjahres zu erholen. Die Kölner Tochtergesellschaft des amerikanischen Konzerns möchte die sen Aufschwung so spät wie möglich durch höhere Preise dämpfen.

Opel gar muß immer noch Absatzeinbußen hinnehmen. Selbst eine Preissenkung zum Jahreswechsel, mit kräftigem Werbeaufwand als „Opel-Initiative 81“ angepriesen, konnte die Talfahrt nur etwas dämpfen, Die Rüsselsheimer Tochtergesellschaft des größten Autoherstellers der Welt, General Motors, wartet deshalb ebenfalls noch mit Preisaufschlägen.

Bei Ford und Opel zeigt damit die Konkurrenz aus Japan Wirkung. Ford und Opel waren im vorigen Jahr die ersten deutschen Autohersteller, die den Vormarsch der Japaner mit fühlbaren Verkaufseinbußen bezahlen mußten, VW dagegen konnte sich bis zum Frühjahr 1980 noch gut gegen die Autos aus Fernost behaupten. Kein Grund also für die Wolfsburger, mit ihren Preisen jetzt vorsichtig zu sein?

Auf den ersten Blick scheint der Druck aus Japan tatsächlich gemildert. Im März gab es erste Absatzverluste auch für manchen Hersteller aus Fernost, Denn japanische Wagen sind inzwischen deutlich teurer geworden. Der Preisvorteil gegenüber vergleichbaren deutschen Autos, vor Jahresfrist auf fast zwanzig Prozent beziffert, ist auf einige Hundertmarkscheine zusammengeschmolzen.